Als Althusser 1978 die alte, von Kant und Lenin geerbte Frage "Was tun?" aufgriff, sieht er sich nicht nur mit einer philosophischen Problemstellung konfrontiert: Er begreift die Frage in erster Linie als ein praktisches Problem, das sich nur ausgehend von einer "konkreten Analyse der konkreten Situation" lösen lässt. Um eine solche Analyse vorzubereiten, setzt sich Althusser mit dem herrschenden Geschichtsverständnis und den Dogmen des sogenannten Eurokommunismus auseinander. Im Gespräch mit Machiavelli, Gramsci, Spinoza und Marx skizziert Althusser ein Geschichtsdenken, das weder deterministisch noch historistisch ist - ein Denken, von dem er sich eine Antwort auf die Frage nach der Abwesenheit des revolutionären Subjekts verspricht.
Als tolle Marxismus-Lektüre empfiehlt Rezensent Jens Kastner diesen bisher unveröffentlichten Band des französischen Philosophen Louis Althusser aus dem Jahr 1978. Althusser rechnet darin in zeitüblicher Gnadenlosigkeit, wie Kastner vorwarnt, mit Antonio Gramsci ab, auf den er alle Übel einer sozialdemokratisierten Politik zurückführt: Althusser wirft Gramsci vor, den Staat nur als Phänomen der Hegemonie zu begreifen, und schlimmer noch, seine Theorie der Welt anzugleichen und damit in die Falle des Historismus zu tappen. Ist alles Unsinn und absolut nicht haltbar, meint Kastner: Althusser haderte vor allem mit dem soften italienischen Eurokommunismus, der sich unter Rückgriff auf Gramsci von Moskaus Führungsanspruch verabschiedet hatte. Aber spannend findet er den Text trotzdem, nicht zuletzt als Dokument "zur Rolle der Theorie und zur Strategie der emanzipatorischen Kämpfe".
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