Was wir heute unter "Lebenskunst" verstehen, bezieht sich vor allem auf die Gestaltung des Lebens und findet seine Quellen in der antiken Philosophie. In den Ratgebern wird Philosophie ein Mittel zur Beförderung des Wohlergehens, zur Gestaltung des "guten" Lebens. Voraussetzung dieser abländischen Philosophie ist der Glaube, daß das Leben ein Geschenk sei und die Welt, in die wir geboren werden, ein Licht. Ist der Gegenstand von Lebenskunst das Leben selbst, stellt sich die Hamletfrage. Die Frage nach dem Nichtsein, dem "Nichts" beschäftigt von der Antike bis heute Philosophen, Dichter und Schriftsteller. Mit ihnen als Zeugen (von Sokrates, Lichtenberg, Schopenhauer bis Beckett, Hannah Art und Peter Sloterdijk) gewährt Lütkehaus der Nachtseite des Lebens Raum. "Gerade wenn die tatsächliche Verfassung der Welt nur wenig auf ein Licht, noch weniger die des Lebens auf ein Geschenk hindeutet, versucht der inkarnierte Wille zum Dasein und Wohlsein sich um so entschlossener in der Welt, dem Sein als dem Guten heimisch zu machen."
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 10.06.2008
Dem im Vergleich zu den Hauptwerken "Nichts" und "Natalität" schmalen Essayband "Vom Anfang und vom Ende" des Freiburger Philosophen Ludger Lütkehaus verdankt Oliver Pfohlmann heitere Momente. Ausgangspunkt des Bandes ist der "Skandal", das dem Geborenwerden keine freie Entscheidung zugrunde liegt, das Leben sogar mit Dankbarkeit als Geschenk angenommen werden soll. Lütkehaus fordert dementsprechend eine "Natologie", "eine Geburtshilfe als Pendant zur 'Thanatologie'", weiß Pfohlmann. Er empfiehlt das Buch als Pflichtlektüre für mögliche Eltern, weil es aus der "Biozidee-Frage" umfassende Anspruchs- und Freiheitsrechte der Kinder anstelle der ihnen bisher auferlegten Dankes- und Subordinationspflichten folgert und zudem einen "erstaunlich humorvollen Abriss" des von Lütkehaus vertretenen "vollendeten Nihilismus" bietet.
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