Erst kurz vor der Jahrhundertwende entstand das Bedürfnis nach umfassenderen Kenntnissen der kolonisierten Territorien mit muslimischen Bewohnern. Die wissenschaftliche Orientbetrachtung erfuhr eine Erweiterung durch eine kulturgeschichtliche Beschäftigung mit den Ländern Asiens und Nordafrikas, die als Islamwissenschaft oder Islamkunde in die Fachgeschichte einging. Als Pioniere und zugleich als meisterhafte Vertreter dieses Paradigmenwechsels gelten neben C. Snouck Hurgronje und C. H. Becker, Ignaz Goldziher und Martin Hartmann, die über zwei Jahrzehnte eifrig Korrespondenz pflegten. Ludmila Hanisch legt eine kommentierte Auswahl der Korrespondenz von Ignaz Goldziher und Martin Hartmann vor, in der die Diskussionen der Briefpartner über fachliche Fragen im engeren Sinn hinausgingen. Ihre Erörterungen spiegeln Einstellungen aus einer Epoche, in der im Vorderen Orient weder eine Kongruenz zwischen Religionszugehörigkeit und Staatsgrenze existierte, noch die Erfahrung mit dem Antisemitismus des Dritten Reiches vorlag.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 31.07.2001
Für den Rezensenten hätten die in diesem "sorgfältig kommentierten" Band zu Wort kommenden Briefpartner nicht unterschiedlicher sein können. Aus den überwiegend sehr kurzen, Fragen der die eigene Forschung betreffenden Briefen und Karten - nach Familiärem und Privatem hat Friedrich Niewöhner vergebens Ausschau gehalten - ergibt sich ihm das "beklemmende" Bild zweier in reger Korrespondenz miteinander stehender Kollegen, die "eigentlich keine Freunde sein konnten." Dem Juden Goldziher steht hier schreibend ein Mann (ein reputierter Islamwissenschaftler!) gegenüber, der, so Niewöhner, "sich in seinen Briefen als arischer Rassist und Verächter der 'Seuche Islam' (erweist) - eine erschreckende Lektüre."
Jana Hensel: Es war einmal ein Land In ihrem neuen Buch erzählt die Bestsellerautorin Jana Hensel vom Ende eines großen Traums. Denn das, was vor über 35 Jahren als Aufbruch in eine neue Ära begann, wird nun… Norbert Gstrein: Im ersten Licht Zwei Weltkriege, ein Jahrhundert: ein eigenwilliges Leben voller Schönheit, Tragik und Widersprüche. Norbert Gstrein schenkt uns ein ganzes Menschenleben. Dabei ist jedes… Elias Hirschl: Schleifen Franziska Denk wächst im Umfeld des Wiener Kreises auf und leidet als Kind an einer seltsamen Krankheit: Jedes Symptom, von dem sie hört oder liest, bekommt sie sofort. In… Robert Menasse: Die Lebensentscheidung Frustriert von den Mühlen der Bürokratie, trifft Franz Fiala eine "Lebensentscheidung" und wirft seinen Job bei der Europäischen Kommission hin. Als er seine Mutter zum 89.…