Blick auf Frauen den Krieg im Blick

Edition FotoTapeta, Berlin 2025
ISBN
9783949262517
Gebunden, 304 Seiten, 22,00
EUR
Klappentext
Mit einem Vorwort von Margaret Atwood. Aus dem Englischen von Steffen Beilich und Andreas Rostek. Die Veröffentlichung dieses Buches ist eine Verbeugung vor einer großartigen Frau, die nicht mehr lebt. Victoria Amelina, ukrainische Schriftstellerin, Dichterin, Mutter, Feministin und Menschenrechtsaktivistin, wurde im Sommer 2023 durch eine russische Rakete getötet. Sie wurde 37 Jahre alt. In den letzten Monaten ihres Lebens arbeitete sie an diesem Buch. Darin begleitet sie Journalistinnen, Verteidigerinnen der Menschenrechte, Anwältinnen, die russische Kriegsverbrechen festhalten, während der Krieg gegen die Ukraine andauert. Und sie beschreibt ihre eigene Wandlung von der Autorin und Mutter zur Aktivistin. Das Buch erscheint posthum in den USA, England, Frankreich, Italien, Schweden, Holland, Korea und Deutschland.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk, 04.06.2025
Ein wichtiges, wenn auch nicht leicht zu lesendes Buch annonciert Rezensentin Melanie Longerich mit desem postum erschienenen Band der ukrainischen Schriftstellerin Victoria Amelina. Amelina, die zu Kriegsverbrechen in der Ukraine recherchierte, starb nach einem russischen Raketenangriff im Juli 2023, Freunde und Kolleginnen sorgten nach ihrem Tod für die Veröffentlichung der Fragment gebliebenen Kriegsberichte, Porträts von Anwältinnen, Journalistinnen und Aktivistinnen und Notizen, erklärt Longerich. Sie liest hier von den brutalen Auswirkungen der Besatzung, aber auch von den Intellektuellen, die sich in den 1920er und 1930er Jahren im Rahme der heute sogenannten "erschossenen Wiedergeburt" gegen die Russifizierung der ukrainischen Kultur stellten. Longerich empfiehlt das Buch auch als Aufforderung, die Menschenrechtsverletzungen in der Ukraine nicht zu ignorieren.
Rezensionsnotiz zu
Die Tageszeitung, 19.04.2025
Ein eindrückliches Buch liest Rezensent Jens Uthoff hier. Es basiert auf den Aufzeichnungen der Ukrainerin Victoria Amelina, die als Mitglied der Gruppe Truth Hounds mit der Aufgabe beschäftigt war, russische Kriegsverbrechen in der Ukraine zu dokumentieren, bevor sie 2023 von einer russischen Rakete getötet wurde. Im Buch erfahren wir einiges über Amelinas eigene Geschichte, so Uthoff, außerdem stellt sie die Arbeit weiterer Frauen dar, die mit ihr gemeinsam russisches Unrecht für die Nachwelt festhielten. Zudem geht es um historische Kontinuitäten, die von Stalins Verfolgung der Intellektuellen in der Ukraine bis in die Gegenwart reichen, auch der inzwischen verstorbene ukrainische Autor Wolodymyr Wakulenko wird von Amelina gewürdigt. Ziemlich viel auf einmal ist das, gelegentlich droht Uthoff in dieser fragmenthaften Materialsammlung, die teils nur aus aneinandergefügten Notizen besteht, den Überblick zu verlieren. Der Wert dieser inhaltlich reichhaltigen Veröffentlichung über mutige ukrainische Frauen wird dadurch freilich nicht gemindert, stellt der Rezensent abschließend klar.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 22.03.2025
Ein eindrucksvolles Buch, dessen Lektüre keineswegs einfach ist: So beschreibt Claudia Dathe Victoria Amelinas postum veröffentlichte Studie zu ukrainischen Frauen, die die Schrecken des Ukrainekriegs infolge des russischen Angriffs aufarbeiten. Victoria Amelina selbst unternahm, so Dathe, für eine Menschenrechtsorganisation Reisen in Orte, die von Russland besetzt waren und dokumentierte die dort verübten Kriegsverbrechen, außerdem tauchen im Buch zahlreiche Mitstreiterinnen auf, Buchautorinnen und Aktivistinnen etwa, die in ähnlicher Mission unterwegs sind. Amelina verleiht in diesem Buch einerseits Opfern eine Stimme auch hinsichtlich möglicher juristischer Aufarbeitungen des Unrechts, andererseits setzt sie es in Beziehung zur Geschichte sowjetischer Gewaltherrschaft in der Ukraine insbesondere in den 1930ern. Das Buch ist ein Fragment und wurde auch so, also mit sichtbaren Lücken und Passagen, die eher Materialsammlung als ausgearbeitet sind, veröffentlicht, nachdem die Autorin im Sommer letzten Jahres ihren Verletzungen erlag, die sie bei einem russischen Raketenangriff erlitt. Das macht die Lektüre nicht einfach, meint Dathe, was freilich nichts daran ändert, dass wir es hier mit einem bedeutenden Buch zu tun haben.