Maddalena Fingerle

Muttersprache

Cover: Muttersprache
Folio Verlag, Wien - Bozen 2022
ISBN 9783852568492
Gebunden, 180 Seiten, 22,00 EUR

Klappentext

Aus dem Italienischen von Maria E. Brunner. Paolo Prescher ist besessen von Wörtern. Wörter haben für ihn Geruch, Farbe oder Klang. Paolo hasst dreckige Wörter, sie rauben ihm die Luft. Dreckig sind Wörter, die nicht sagen, was sie sagen sollen. Seine Mutter macht ihm die Wörter dreckig, auch seinem Vater, der Aphasiker ist. Paolo leidet unter der Heuchelei der Mutter und der Boshaftigkeit der Schwester. Er hasst seine Geburtsstadt Bozen mit ihrer behaupteten Zweisprachigkeit und ihren Oberflächlichkeiten. Auf der Suche nach einer unversehrten anderen Sprache flüchtet er nach Berlin und trifft dort auf Mira. Sie schafft es, seine Worte zu reinigen. Bis seine Obsession ihn wieder einholt.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 21.06.2022

Rezensentin Marielle Kreienborg ist von der deutschen Übersetzung des mitreißenden Debüts "Muttersprache" von Maddalena Fingerle enttäuscht. Die Autorin lässt darin ihren schillernden, unangepassten Protagonisten Paolo Prescher über Sprache, seine Heimat im Südtirol und das Klassische Lyzeum reflektieren und dabei die von ihm benutzten Wörter genaustens betrachten, drehen und verstehen, erklärt die Rezensentin. Die ursprüngliche Dynamik dieses Charakters wirkt im Deutschen Kreienborg zufolge leider nicht, die Übersetzung ist zudem stellenweise nicht stimmig. Und auch die Buchgestaltung und vielen kontextuellen Referenzen erschweren der Rezensentin das Lesen. Man könne den Leserinnen definitiv etwas mehr Eigenständigkeit zutrauen kann, statt sie "wie Unmündige an der Hand zu halten", schließt sie.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 22.02.2022

Rezensent Dirk Fuhrig erkennt in Maddalena Fingerles Buch einen feinsinnigen Anti-Heimat-Roman um Identität, Mehrsprachigkeit und politische Instrumentalisierung von Heimat und Sprache. Die Geschichte um einen sprachsensiblen jungen Mann aus Südtirol, der sich weigert seine "Sprachgruppenzugehörigkeit" feststellen zu lassen und nach Berlin "flüchtet", überzeugt Fuhrig durch eine spannungsreiche Atmosphäre und die gekonnte Verbindung von Elementen des klassischen Entwicklungsromans mit aktuellen Themen. Die Übersetzung von Maria E. Brunner findet Fuhrig gelungen.
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