Aus dem Chinesischen von Karin Betz. Alles beginnt Ende des 19. Jahrhunderts mit Großmutter Rong. Um die Kunst der Traumdeutung zu erlernen, schickt die Matriarchin ihren Enkel ins Ausland - und dieser kommt als moderner Mann wieder. Aus der Salzhändlerdynastie Rong wird eine Familie von Mathematikern, in die einige Generationen später Jinzhen hineingeboren wird. Der Junge mit dem übergroßen Kopf ist von einer fast mythischen Aura umgeben, denn er versteht die Welt der Zahlen wie kein anderer. Mitte der 50er-Jahre gelingt es ihm, für den chinesischen Geheimdienst einen als undechiffrierbar geltenden Code zu brechen, und er wird als Nationalheld gefeiert. Doch dann taucht ein noch schwierigerer Code auf und droht, ihn in den Abgrund zu ziehen
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 19.01.2016
Mai Jia Spionagethriller "Das verhängnisvolle Talent des Herrn Rong" hat Rezensent Ulrich Baron gefallen. Auch wenn der Kritiker sich nicht ganz entschließen kann, ob er einen Familien-, einen Wissenschafts- oder doch einen Spionageroman gelesen hat, folgt er doch gebannt dieser Geschichte um den Mathematiker Rong, der sich während der Mao-Ära durch die Entschlüsselung eines feindlichen Codes vom "Idioten-Genie" zum Volkshelden wandelt, um schließlich doch psychisch und physisch zu zerbrechen. Wie der Autor hier durch ein vielschichtiges Gewebe aus Erzählerrede, Interview-Zitaten, Briefe und Tagebuchnotizen den Zerfall einer autistischen Persönlichkeit demonstriert, hat Baron sehr beeindruckt.
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