Frauen undercover: James Bond und Jason Bourne prägen unser Bild über die Arbeit von Geheimdiensten. Aber in der Realität sind nicht nur Männer als Agenten tätig. Schon seit dem Kaiserreich arbeiten viele Frauen für deutsche und internationale Nachrichtendienste. Sie stehlen militärische Dokumente, überwachen und sabotieren ihre Gegner, rekrutieren Informantinnen und enttarnen feindliche Spione. Doch obwohl Agentinnen ihren männlichen Kollegen in nichts nachstehen, wird ihr Einfluss auf die Geschichte bis heute unterschätzt. Maik Baumgärtner und Ann-Katrin Müller haben ihre geheimen Fälle der vergangenen hundert Jahre recherchiert, zahlreiche Akten ausgewertet und mit ehemaligen und aktiven Geheimagentinnen gesprochen, die für oder in Deutschland im Einsatz waren.
Rezensentin Nina Apin kann nur gutheißen, dass Ann-Katrin Müller und Maik Baumgärtner endlich weiblichen Spionen Aufmerksamkeit schenken. Denn vom Kaiserreich bis heute sei, wie die Autoren zeigen, deren Geschichte eine der mangelnden Anerkennung und des Sexismus gewesen. Dem wirken Baumgärtner und Müller mit ihren Porträts von Geheimagentinnen nun entgegen, lobt Apin: Gerne liest sie von Frauen wie der Staatsrechtlerin Elsbeth Schragmüller, die 1915 in der Kriegsnachrichtenstelle Antwerpen ein ganzes Spionagenetz aufbaute, oder von der Doppelagentin Nathalie Sergueiew, die 1944 über Funk falsche Informationen an die Deutschen vermittelte und so zum Sieg der Alliierten wesentlich beitrug, wie Apin referiert. Besonders spannend findet die Kritikerin an dem Buch, dass es nicht nur die Misogynie der lange herrschenden Unterschätzung weiblicher Agentinnen hervorhebt, sondern auch die krassen Fehlurteile, zu denen sie manchmal führte - etwa im Fall der DDR-Spionin Christel Broszey, die von der Presse fälschlicherweise als naive Mitläuferin gezeichnet worden sei. Insgesamt eine lobenswerte Sichtbarmachung von wichtigen "Protagonistinnen der Zeitgeschichte", betont Apin.
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