Manfred Gailus

Protestantismus und Nationalsozialismus

Studien zur nationalsozialistischen Durchdringung des protestantischen Sozialmilieus in Berlin. Habil.
Cover: Protestantismus und Nationalsozialismus
Böhlau Verlag, Köln, Weimar 2001
ISBN 9783412072018
Gebunden, 736 Seiten, 75,50 EUR

Klappentext

Warum waren der Nationalsozialismus, die Hitlerbewegung und die völkischen Ideen so attraktiv für große Teile des protestantischen Sozialmilieus? Wie und bis zu welchem Ausmaß vermochten sie, die Bastionen der alten Kirchen zu erobern und ihre Strukturen umzuprägen? Diesen Fragen geht der Verfasser in seiner sozial- und mentalitätsgeschichtlich orientierten Untersuchung zum Großraum Berlin - der mit Abstand größten protestantischen Großstadtregion im "Dritten Reich" - nach.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 07.08.2002

In einer Mehrfachbesprechung rezensiert Helmut Zander drei Bücher über Religion und Politik im Nationalsozialismus, die unterschiedliche Schwerpunkte setzen. Die Untersuchung des Protestantismus in Berlin könne einem zunächst vorkommen wie "Fliegenbeinzählerei", räumt der Rezensent ein, der aber die Ergebnisse der Studie als sehr aufschlußreich lobt. Mit wachsender "Beklemmung" nimmt Zander die Darstellung der Durchdringung des "protestantischen Milieus" durch den Nationalsozialismus zur Kenntnis. Er sieht mit diesem Buch eine Verschiebung des Schwerpunkts der bisherigen Forschung gegeben. Galt bisher das Hauptaugenmerk der Bekennenden Kirche, die sich dem Nationalsozialismus widersetzt hat, zeigt Gailus, dass es in Berlin auf Dauer keine einzige reine Gemeinde der Bekennenden Kirche gegeben hat, so der Rezensent beeindruckt.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 16.02.2002

Tanja Hetzer bespricht ein ihrer Ansicht nach sehr wichtiges Buch zur Rolle der protestantischen Kirche und Gesellschaft zur Zeit des Nationalsozialismus. Die "quellenreiche Analyse" von Manfred Gailus sei notwendig als Ergänzung zur üblichen Kirchengeschichtsschreibung, in der vor allem die Opposition der Bekennenden Kirche zum Nationalsozialismus hervorgehoben werde. Gailus dagegen zeige zum einen, dass auch in der Bekennenden Kirche kaum jemand in offenen Widerstand gegen die Nazis getreten ist, und zum anderen, dass die Deutschen Christen, die christliche und nationalsozialistische Vorstellungen zu vereinen suchten und dabei einen "aggressiven Antisemitismus" pflegten, überaus großen Zulauf und Einfluss während der NS-Zeit hatten.

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