Seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs sind die Deutschen immer amerikanischer geworden. Was für den einen der Erfolg eines freien, individualistischen Lebensstils ist, dient dem anderen als Beleg für amerikanischen Kulturimperialismus. Amerikanisierung und Anti-Amerikanisierung gehen in der Geschichte der Bundesrepublik meist Hand in Hand: Das Leben des politisch engagierten Studenten nach 1968, der gegen den amerikanischen Krieg in Vietnam auf die Straße zog, wurde musikalisch vom amerikanischen Armeesender AFN geprägt. Michael Rutschky schildert den Einfluss Amerikas auf unser Leben, Denken und Fühlen seit 1945. Er beschreibt etwa, wie das Leitbild des soldatischen deutschen Mannes von Swing-Musik und Rock'n'Roll zersetzt und von der mythisch gewordenen Gestalt des schwarzen GI verdrängt wurde, der lässig von seinem Panzer herab Chewing gum und Hershey bars verteilte.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 01.07.2004
Eigentlich findet Franziska Sperr das Thema des Buches von Michael Rutschky sehr "spannend". Es geht um das schwankende Verhältnis der Deutschen zu den Amerikanern seit der Nachkriegszeit, das zwischen "neugieriger Bewunderung" und, spätestens seit dem Vietnamkrieg, "negativen Gefühlen" gegenüber dem amerikanischen "Kulturimperialismus" changiert, erklärt die Rezensentin. Dann hat sie sich aber trotzdem vornehmlich geärgert, weil der Autor immer wieder den eigentlichen Gegenstand seines Buches aus dem Blick verliert und sich stattdessen in "schreiberischen Lockerungsübungen, selbstverliebten Sprüchen und allerhand Kuriosem" ergeht, wie Sperr beklagt. Die "Sottisen" mit denen Rutschky die Leser "bis zum Abwinken" überschüttet, haben die Rezensentin gelangweilt und die "betuliche witzelnde, verkrampft ambitionierte Sprache" des Autors gehen ihr gehörig auf die Nerven. Zurück bleibt eine "frustrierte" Rezensentin, die dieses Buch als "eitel" und unkonzentriert" verreißt.
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