Erich Ludendorff (1865 - 1937) war eine der Schlüsselfiguren in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts: Als gefeierter Generalissimus des Ersten Weltkriegs und Erfinder des "totalen Kriegs", als Ikone der völkischen Bewegung und ideologischer Wegbereiter des Nationalsozialismus. Kein anderer deutscher Militär hat eine Machtfülle besessen wie General Ludendorff im Ersten Weltkrieg. Das Kriegsrecht ermöglichte ihm die Einflussnahme auf alle Bereiche des öffentlichen Lebens, auf Wirtschaft, Propaganda und Besatzungspolitik. Sein innenpolitisches Ziel für die Zeit nach dem "Endsieg" war eine Militärdiktatur. In der Außenpolitik träumte er von einem "Imperium Germaniae", seine völkischen Motive verband er - lange vor den verbrecherischen Plänen der Nationalsozialisten - mit der radikalen Vorstellung eines "totalen Kriegs".
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18.07.2011
Mit großer Anerkennung bedenkt Peter Graf Kielmansegg diese Ludendorff-Biografie des Historikers Manfred Nebelin. Er würdigt das Buch als erste große Lebensbeschreibung des Generals und Politikers, merkt aber auch an, dass das Werk den Schwerpunkt auf die Kriegsjahre legt und mit der Flucht Ludendorffs nach Schweden 1918 endet. Lobend hebt er die Quellennähe, die Materialfülle und den Detailreichtum des Buchs hervor. Allerdings vermisst er resümierende Reflexionen über die Kernfragen, die sich einem Ludendorff-Biografen stellen. Etwa die, ob Ludendorff wirklich ein "Diktator" war. In diesem Punkt kommt Kielmansegg zu einer etwas anderen Einschätzung als der Autor. Sehr bemerkenswert scheint ihm nichtsdestoweniger, wie es Nebelin gelungen ist, Ludendorff als eine "Symbolfigur für Deutschlands Absturz in die extreme Irrationalität" darzustellen, ohne ihn zu dämonisieren.
Im Großen und Ganzen ist Rezensent Volker Ullrich mit dieser Ludendorff-Biografie des Historikers Manfred Nebelin einverstanden, verbindet seine Empfehlung allerdings mit zwei Einschränkungen: Nebelin beschränkt sich auf die militärische Karriere des Generalissimus im Ersten Weltkriegs, das eigentlich bereist ganz gut erforscht ist, mit Überraschungen kann die Biografie also nicht aufwarten. Da hätte Ullrich schon lieber mehr über Ludendorffs fatalen Kampf gegen die Weimarer Republik und seine Unterstützung des Hitler-Putsch von 1923 gelesen, wird aber vom Autor hängen gelassen. Abgesehen davon aber ist er ganz zufrieden: Wissenschaftlich fundiert, aber gut lesbar schreibe Nebelin, sorgfältig und pointiert. Während er am Anfang Ludendorffs militärisches Draufgängertum noch mit Bewunderung darstellt, seine großen Siege von Lüttich und Tannenberg, wird seine Sicht auf den General, der sich auf den U-Boot-Krieg versteifte und die USA so kolossal unterschätzte, zunehmend kritischer. Von einer Diktatur Ludendorffs würde Ullrich dennoch nicht sprechen, Kaiser Wilhelm II. Hatte doch noch das eine oder andere Wörtchen mitzureden.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 06.06.2011
Einen etwas zwiespältigen Eindruck hat Manfred Nebelins Biografie über Erich Ludendorff bei Gerd Krumeich hinterlassen. Er schätzt die Quellennähe, den Detailreichtum und die gute Lesbarkeit des Werks. Gelungen scheint ihm auch die Verbindung von historischer Erzählung und Präsentation der Quellen. Zudem lobt er die Darstellung von Kindheit und Jugend Ludendorffs und seines familiären Hintergrunds. Auch den Aufstieg Ludendorffs und seine Aktivitäten im Vorfeld des Ersten Weltkrieges findet er eindrucksvoll dargestellt. Auf der anderen Seite moniert Krumeich, dass das Verhältnis Ludendorffs zu Hindenburg chronisch unterbelichtet bleibt, für ihn das große Minus dieses Werks. Zudem findet er in dem Buch so gut wie nichts über das Charisma und die öffentliche Wirkung des Generals. Insofern kann Nebelins Arbeit seines strengen Erachtens nach nicht den Anspruch erheben, "zumindest vorläufig definitiv zu sein".
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