Aus Erfahrung wird man klug, sagt ein Sprichwort. Ohne Fehler und Irrtümer gibt es keine Entwicklung. Die gegenwärtige Null-Fehler-Kultur aber tut sich schwer damit, Fehler zu akzeptieren. Bisher stützte sich der Mensch als "gebrechliches Wesen in der zerbrechlichen Einrichtung der Welt" zur Korrektur und Begrenzung seiner Irrtümer und Fehler vor allem auf Erfahrung. Angesichts der rasanten Zunahme von abstraktem Wissen vor dem Horizont virtueller Welten lassen sich schwer noch sinnliche Erfahrungen machen. Dadurch stellt die Bewältigung von Fehlern zunehmend eine Überforderung dar. Mutiert der "antiquierte" Mensch in einer "Null-Fehler-Kultur" selbst zum größten anzunehmenden Unfall und Risikofaktor? Wird deswegen unermüdlich an seiner Perfektionierung gebastelt? Manfred Osten stellt die grundsätzliche Frage nach der Relativität unseres rational orientierten westlichen Fehlerverständnisses und unserer Fehlerbeherrschung.
Rezensionsnotiz zu
Die Zeit, 18.05.2006
Durchaus anregend findet Gabriele Killert diesen Essay Manfred Ostens über die "Kunst, Fehler zu machen". Sie betrachtet das Buch geradezu als ein Plädoyer für die Neigung zum Irrtum und hebt Ostens positive Deutung des Phänomens, sein Pochen auf die produktive, erzieherische Seite des Fehlermachens hervor. Die biologische wie die kulturelle Evolution lese der Autor etwa Erfolgsgeschichte der Fehler. Dass er dabei fleißig Goethe und Nietzsche zitiert, scheint Killert nicht weiter zu stören, zumal Ergebnisse neuester Hirnforschungen einbezogen werden, die Goethes Erkenntnisse zu bestätigen scheinen. Überhaupt Goethe: die Rezensentin betrachtet den Essay im Grunde als einen gar nicht mal so versteckte Würdigung des Genies des Weimarer Klassikers.
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