Kurz bevor er starb, gab Jacques Derrida zwei paradoxe Überzeugungen zu Protokoll: Zwar sei er sicher, noch am Tag seines Todes vergessen zu werden, gleichzeitig würde jedoch das kulturelle Gedächtnis etwas von seinem Werk bewahren. Dazu tut die Rede, die Peter Sloterdijk am ersten Todestag des französischen Philosophen hielt, das Ihre. Sloterdijk nähert sich dem Dekonstruktivisten, indem er das Gebirge des Denkens vermisst, "in dem la montagne Derrida als eine der höchsten Erhebungen aufsteigt". In sieben kurzen Vignetten arrangiert Sloterdijk mit philosophischer Imagination Begegnungen Hegels, Freuds und anderer mit dem Mann, dessen Grabkammer "an einen hohen Himmel rührt".
Mit Gewinn hat Manfred Osten diese Rede Peter Sloterdijk zum ersten Todestag Derridas in Paris 2005 gelesen, gelingt dem Autor doch das "Kunststück", dem Leser diesen schwierigen Philosophen näher zu bringen. Dabei bescheinigt er Sloterdijk, nicht nur Derridas Beharren auf der Mehrdeutigkeit verständlich zu machen sondern ihn auch mit anderen Denkern wie Hegel, Freud oder Luhmann in Beziehung zu setzen. Abschließend würdigt er den Text als eine "belebende Grabrede", die in die Ambivalenzen von Derridas Denken der Dekonstruktion einführt.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16.07.2007
Lorenz Jäger bekundet sein Wohlgefallen an Peter Sloterdijks Essay über Jacques Derrida, um ihm am Ende vorzuwerfen, er sei "historisch naiv". Sloterdijks Text stellt die alttestamentliche Josephsgeschichte und die Beziehung zwischen Juden und Ägypten ins Zentrum seiner Überlegungen und argumentiert, dass Joseph deshalb in Ägypten zu so hohem Ansehen aufstieg, weil er als Fremder als einziger in der Lage war, den Traum des Pharao zu deuten. Dieser hermeneutische Zugang, der heutigen Lesern, wie der Rezensent glaubt, sicherlich eingängig ist, bleibt aber unwahrscheinlich, bietet Josephs Traumexegese doch nichts, was nicht andere antike Traumdeuter auch zu leisten vermochten, widerspricht Jäger. Auch Georg Simmels soziologische Philosophie des "Fremden", die der Autor heranzieht, überzeugt den Rezensenten nicht, und so kommt er dazu, Sloterdijk einen "metaphysischen Josephs-Philosemitismus" und die bereits erwähnte historische Naivität vorzuwerfen. Was das Ganze aber mit Derrida zu tun hat, bleibt für die Leser dieser Kolumnen-Kritik etwas rätselhaft.
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