Manfried Rauchensteiner

Unter Beobachtung

Österreich seit 1918
Cover: Unter Beobachtung
Böhlau Verlag, Wien 2017
ISBN 9783205205005
Gebunden, 628 Seiten, 29,00 EUR

Klappentext

Jedes Mal, wenn sich in Österreich nach 1918 etwas ereignete, stand das Land unter Beobachtung: als Deutschösterreich, als Erste Republik, als Ständestaat, als Alpen- und Donaugaue des Großdeutschen Reichs, als Zweite Republik - bis in die Gegenwart. Es wurde und wird geschaut, gehört und meist nicht geschwiegen. So als ob Österreich noch immer jene Versuchsstation für Weltuntergänge wäre, als die sie Karl Kraus beschrieben hat. Was 1918 notgedrungen als Experiment begann, war 1938 auch schon wieder gescheitert. 1945 wollten vier Besatzungsmächte kein Risiko eingehen und stellten Österreich unter Kuratel. Und auch in weiterer Folge stand das Land immer wieder unter Beobachtung: 1956, während des Volksaufstands in Ungarn, 1968 bei der Besetzung der Tschechoslowakei, 1986 nach der Wahl Kurt Waldheims zum österreichischen Bundespräsidenten, 1991 während des slowenischen Unabhängigkeitskrieges, 2000 nach der Bildung einer Kleinen Koalition und nicht zuletzt 2016 bei der längsten Wahl eines österreichischen Staatsoberhauptes. Österreich galt als Problemzone, als Sonderfall, als Musterschüler und gleich mehrfach als böser Bube, dem man ganz genau auf die Finger schauen wollte. Das tut man auch heute.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30.01.2018

Michael Gehler hält das Buch des Historikers Manfried Rauchensteiner für einen Wurf. Der Blick auf Österreich von internationaler Warte scheint Gehler die Ausnahme in der österreichischen Historikerzunft zu sein. Rauchensteiners Monografie, die laut Rezensent den Bogen vom Kriegsende 1918 bis in die jüngste Zeit schlägt, zeigt Gehler nicht nur, wie Österreich in der Vergangenheit bevormundet wurde, der Autor zeichnet tatsächlich ein differenziertes, fein nuanciertes Bild. Denn auch Zeiten der Souveränität wie unter Kreisky kommen im Buch vor, stellt Gehler fest. Ein Werk gegen die Rückwärtsgewandtheit und die drohende Verprovinzialisierung der österreichischen Zeitgeschichtsschreibung, findet Gehler.

Beliebte Bücher

Heike Geißler. Michaela Kohlhaas - Roman . Suhrkamp Verlag, Berlin, 2026.Heike Geißler: Michaela Kohlhaas
"Das Rechtgefühl machte ihn zum Räuber und Mörder." So erzählt es Heinrich von Kleist in seiner gleichnamigen Novelle über den Pferdehändler Michael Kohlhaas, der nach erlittenem…
Robert Seethaler. Die Straße - Roman . Claassen Verlag, Berlin, 2026.Robert Seethaler: Die Straße
Die Straße ist nicht im Zentrum der Stadt und nicht an ihrem Rand. Versteckt liegt sie irgendwo dazwischen. Kein Besucher würde sich dorthin verirren, und doch passiert in…
Petra Morsbach. Orion - Roman . Penguin Verlag, München, 2026.Petra Morsbach: Orion
Nora lernt bei einem Studentenjob ihren späteren Mann kennen, einen Archivar. Sie wird Lehrerin für Deutsch und Geschichte in einem oberbayerischen Gymnasium, zieht einen…
Nelio Biedermann. Lázár - Roman . Rowohlt Berlin Verlag, Berlin, 2025.Nelio Biedermann: Lázár
Alles beginnt, sogar das Ende, als Lajos von Lázár, das blonde Kind mit den wasserblauen Augen, zur Welt kommt. Seinem Vater, dem Baron, wird der Sohn nie geheuer sein, als…