Aus dem Spanischen von Frank Henseleit. Mit einer Einführung von Clemens Klünemann. 1936 floh Manuel Chaves Nogales - ein Liberaler - vor den spanischen Faschisten nach Frankreich, wo er bis Juni 1940 in Paris lebte. Vor den einrückenden Nazionalsozialisten musste er abermals fliehen und entkam nach England. Chaves Nogales klagt hier die französische Bourgeoisie an, den Staat Frankreich aufgegeben zu haben und sich um ihrer Privilegien willen mit der nationalsozialistischen Besetzung arrangiert zu haben. Er konstatiert in seiner Analyse einen tief verwurzelten Antisemitismus in Frankreich. Die Reportage wird in zwei Texten (Einleitung und Nachwort) kontextualisiert, wobei sich Chaves Nogales als wertvoller Stichwortgeber für die Verteidigung der Demokratie gerade in heutiger Zeit erweist. Eine schonungslose Abrechnung mit den Strategien der rechten Ideologien, die heute dieselben wie damals sind.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 09.09.2026
Ausgesprochen wichtig findet Rezensent Marko Martin, dass der Kölner Kupido Verlag sich um das Werk von Manuel Chaves Nogales bemüht. Im hier vorliegenden Buch widmet sich der Autor Frankreich, dem Land, in das der Spanier 1937 geflüchtet war - weil dem passionierten linksliberalen Nogales im Bürgerkriegsspanien sowohl Francos Bomben als auch die stalinistischen Kommunisten gegen den Strich gingen. Aber auch mit dem Zustand der französischen Demokratie rechnet der Autor scharf ab: Die wird ebenfalls von rechts wie von links untergraben, das konservative Bürgertum verhindert jedweden Fortschritt, das Militär zeigt bereits Sympathien für Hitler und die Kommunisten stehen unter der Fuchtel des sowjetischen Autoritarismus, resümiert der Kritiker. Martin zieht mit Blick auf Nogales' Darstellung der politischen Linken Parallelen zu den Wagenknechts und Mélenchons der Gegenwart, weist allerdings darauf hin, dass das Buch nicht nur als machtpolitische Analyse taugt. Noch besser ist der Schriftsteller Nogales, wenn er "zwischenmenschlichen Phänomenen" auf der Spur ist. Man lerne hier viel darüber, warum so viele Leute auf "die vielfältigen Manipulationstricks totalitärer Propaganda" hereinfallen, schließt der Kritiker, der ein sehr gegenwärtiges Buch empfiehlt.
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