Extreme Rechte instrumentalisieren, relativieren und verzerren die Geschichte.Geschichtsrevisionismus gehört zum ideologischen Kernbestand extrem rechten Denkens. Dreh- und Angelpunkt ist die Bewertung des Nationalsozialismus. Wer historisch tradierte nationale Größe postuliert, muss die NS-Verbrechen mindestens kleinreden. In den vergangenen Jahren sind - nicht zuletzt im Zuge der Proteste gegen Corona-Schutzmaßnahmen, durch den Aufstieg der AfD oder auch angeheizt durch die Putin-Propaganda - neue Spielarten des rechten Geschichtsrevisionismus popularisiert worden: Verharmlosung der NS-Verbrechen durch ahistorische Gleichsetzungen und Begriffsumdeutungen, Verschwörungslegenden, Reichsbürgerideologien, shoahbezogener Antisemitismus, wonach Juden angeblich eine Mitschuld am Judenhass tragen, und identitäre Geschichtsbilder. In interdisziplinärer Perspektive widmen sich die Autorinnen und Autoren des Bandes den unterschiedlichen Erscheinungsformen des rechten Geschichtsrevisionismus in Deutschland. Vorgestellt werden die wichtigsten geschichtsrevisionistischen Argumentationsmuster, ihre Funktionen und ihre Protagonisten.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 14.04.2025
Ganz zufrieden ist Rezensent Gerrit ter Horst nicht mit diesem Buch über den Geschichtsrevisionismus der Rechten, aber immerhin, meint er, ist hiermit ein Anfang gemacht. Denn Geschichtsrevisionismus, stellt Horst mit diesem von Jens-Christian Wagner und Sybille Steinbacher herausgegebenen Band klar, ist eine zentrale Strategie der Rechten. Die Herausgeber sind Mitarbeiter der Gedenkstätte Buchenwald und Mittelbau-Dora und genau die Gedenkstätten sind in der Bekämpfung rechter Geschichtsfälschungen gefragt, tatsächlich wurde in der Nazizeit der Grundstein für viele nach wie vor virulente Verschwörungserzählungen gelegt. Horst geht entlang einzelner Aufsätze des Bandes auf verschiedene Ausprägungen des rechten Geschichtsrevisionismus ein, das Spektrum reicht von der klassischen Holocaustleugnung auf Basis selektiver Quellenauswertung zu Ansätzen, die für einen moralischen Neuanfang plädieren und sich vor allem gegen die vorherrschende Erinnerungskultur positionieren. Auch einige der bestimmenden Figuren der Neuen Rechten wie Götz Kubitschek und Maximilian Krah kommen im Buch vor, erläutert Horst. Etwas kleinteiliger und auch analytischer hätte dieses auf einer arg pauschalen Ebene verbleibende Buch allerdings doch ausfallen können, kritisiert der Rezensent. Dem rechten Geschichtsrevisionismus komme man nur bei, wenn man richtig tief in die Sache einsteige. Dennoch, glaubt Horst, ist dieses Buch ein Schritt in eine richtige Richtung.
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