Aus dem Französischen von Oliver Lubrich. "Die geheime Reise" ist die Geschichte einer verbotenen Liebe, die zu unbestimmter Zeit an einem unbekannten Ort zu spielen scheint. Aber der poetische Roman von Marcel Jouhandeau ist auch eine Kriminalerzählung. Denn er enthält versteckte Indizien, die den Erzähler verraten und den historischen Zusammenhang sichtbar machen: Im Herbst 1941 nimmt ein französischer Schriftsteller an einer Rundreise durch Nazi-Deutschland teil, die propagandistischen Zwecken dient und zu einer Veranstaltung mit Joseph Goebbels in Weimar führt. Er verliebt sich in den deutschen Offizier, der sie organisiert. Und er scheint zu ahnen, dass er sich mit den Falschen eingelassen hat. Marcel Jouhandeau (1888-1979) hat seine Kollaboration zugleich kunstvoll verschlüsselt und subtil angedeutet. "Die geheime Reise" handelt von der Verführungskraft des Faschismus und von der Schwierigkeit, sich ihrer bewusst zu werden."Die geheime Reise" von Marcel Jouhandeau erschien erst nach dem Zweiten Weltkrieg im französischen Original.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 29.08.2022
Rezensent Hans Christoph Buch hält den nun in der Übersetzung von Oliver Lubrich vorliegenden Bericht Marcel Jouhandeaus von seiner Deutschlandreise im Jahr 1941 und die Tagebuchaufzeichnungen des Autors aus jener Zeit für eine heikle Geschichte. Die bekannte Eleganz des Autors reibt sich laut Buch an der Rätselhaftigkeit der Texte, in denen der Autor von vornherein Namen unkenntlich macht und Sachverhalte verschlüsselt. Die Geschichte der Leidenschaft zu einem deutschen NS-Offizier in einem den Rezensenten bisweilen an Kafka erinnernden Stil bleibt für Buch eine undurchsichtige Angelegenheit. Ebenso schleierhaft ist ihm, warum der Kollaborateur Jouhandeau nach dem Krieg so bereitwillig exkulpiert wurde.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23.08.2022
Rezensent Jürgen Kaube fragt sich zu Recht, weshalb der Leser sich einem Nazi-Kollaborateur wie Marcel Jouhandeau zuwenden sollte. Als Anstoß zur Beschäftigung mit dem Werk, das laut Kaube paradoxerweise mit "moralischee Analytik" aufwartet und Jouhandeau als "ironischen Pornografen der Seele" zeigt, der menschliche Sünden seziert, taugt der Band für den Rezensenten durchaus. Der Leser sollte allerdings erkennen, dass es dem Autor im vorliegenden Reisetagebuch nicht gelingt, die moralische Analyse auf sich selbst anzuwenden, meint Kaube. Dass der Autor auf Einladung von Goebbels 1941 Deutschland bereist und hinterher vor allem über seine homosexuelle Leidenschaft für einen deutschen Offizier (Gerhard Heller) schreibt, spricht eigentlich für sich, wie Kaube uns nahelegt.
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