Am 28. Januar 1936 titelte die "Prawda", das sowjetische Parteiorgan, "Chaos statt Musik" und meinte damit Dmitri Schostakowitschs Oper "Lady Macbeth". Den Großen Terror unter Stalin begleitete sie mit einer Kulturkampagne, die die rigorose Durchsetzung des Sozialistischen Realismus zum Ziel hatte. Siebzig Jahre nach den Ereignissen dokumentiert Marco Frei erstmals umfassend die Kampagne und untersucht die künstlerische Reaktion des damals 29-jährigen Schostakowitsch. Zu seinem 30. Todestag 2005 und 100. Geburtstag 2006 zeichnet dieses Buch zugleich ein Schostakowitsch-Porträt, das auch der viel beschworenen Doppeldeutigkeit nachspürt.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 06.10.2006
Jetzt dachte Eleonore Büning schon, das starre Schostakowitsch-Bild käme einmal in Bewegung und dann ist es doch nur ein detailliertes Referieren alter Erkenntnisse, was ihr die Dissertation von Marco Frei beschert. Die Hauptquelle für diese Arbeit hat Büning schnell gefunden: Die Schostakowitsch-Memoiren von Solomon Volkow, die Büning für eher fragwürdig zu halten scheint. Dass der Autor bei seiner Investigation der "Prawda"-Kampagne gegen Schostakowitsch und der folgenden Formalismusdebatte zusätzlich jede Menge Fakten und Sekundärliteratur zur Stalinzeit zusammenträgt, respektiert Büning zwar. Doch bietet dieses Material "kaum neue Erkenntnisse", so die Rezensentin. Gleiches gilt für den sich mit der Musik befassenden Teil des Bandes: viel Material, doch die Erkenntnisse seien "mager". Dass der Band trotz seiner Datenfülle weder über ein Sach- noch ein Namensregister verfügt, findet Büning "doppelt schade".
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