Mit 14 Abbildungen. Am 5. März 1933 traf sich in der Moskauer Wohnung von Elsa und Hermann Taubenberger ein Kreis von KPD-Mitgliedern. Der Ingenieur Taubenberger verfügte über ein privates Radio, und man verfolgte und diskutierte gemeinsam die Ergebnisse der Reichtagswahl in Deutschland. Nach einer parteiamtlichen Untersuchung gerieten 1935 mehrere Teilnehmer dieser Wahlnacht aufgrund einer Denunziation ins Visier des stalinistischen Geheimdienstes. Reinhard Müller hat in jahrelangen Recherchen, insbesondere in Moskauer und Berliner Archiven, das Schicksal dieser Menschen, die im Exil in die "Menschenfalle" gerieten, anhand der Moskauer "Kaderakten" und der Untersuchungsakten des NKWD rekonstruiert. Zu den prominentesten Opfern gehörten die Witwe des im Konzentrationslager Oranienburg ermordeten Dichters Erich Mühsam, die Brecht-Schauspielerin Carola Neher und Werner Hirsch, der frühere Chefredakteur der "Roten Fahne".
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 22.04.2002
Reinhard Müllers Dokumentation untersucht den stalinistischen Terror gegen die mit vielen Hoffnungen in die Sowjetunion geflohenen, kommunistisch gesinnten Emigranten. Müller konnte in den neu geöffneten Archiven forschen, die Rezensentin Bianka Pietrow-Ennker lobt seine "große Literatur- und Quellenkenntnis". Aufschlussreich findet sie Müllers Darstellung der Zerschlagung der angeblich trotzkistischen "Wollenberg-Hoelz-Organisation", die nicht mehr als ein Konstrukt absichtlicher Vorverurteilung durch die Strafverfolgungsbehörden war, aber zur Hinrichtung von 19 Menschen führte. An den belegten Fällen wird zugleich die Komplexität der Verhältnisse deutlich, so Pietrow-Ennker: vielfach waren die Funktionäre Täter und Opfer in einer Person.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 02.04.2002
Klaus-Georg Riegel ist beeindruckt und erschüttert von den Schilderungen Müllers über die stalinistische Verfolgung von deutschen Nazigegnern, die in die Sowjetunion emigrierten. Er würdigt den Autor als einen der "besten Kenner" dieses Gebiets und findet, dass ihm ein "facettenreiches Bild" der brutalen Methoden der Stalinisten gelungen ist. Dass der Autor sich dabei vor allem der Betrachtung einzelner Kader zuwendet, um die "Funktionsmechanismen der Säuberungen" und Verfolgungen nachzuzeichnen, lobt der Rezensent als gute Entscheidung. Besonders berührt ist er von dem geschilderten Schicksal der Witwe Erich Mühsams. Weiter gehört für ihn die "ausführliche Dokumentation" von Geheimakten und Prozessunterlagen zu den "faszinierendsten Kapiteln" der Studie.
Hermann Weber ist des Lobes voll über Reinhard Müllers "Menschenfalle Moskau". Der Autor habe durch die nun mögliche gewordene Einsicht in russische Archive eine "ungeheure Menge von Quellen" ausgewertet. Die Fakten, die dieses Buch auf den Tisch legt, ließen den Leser erschauern und weisen seinen Autor als intimen Kenner der Schreckenszeit der dreißiger Jahre in Moskau aus, weiß Weber. Vor den Augen des Lesers entstehe ein genaues Bild "einer totalitären Diktatur mit ihren Unterdrückungs- und Verfolgungsinstrumenten", berichtet er. Als einzigen Kritikpunkt führt Weber die manchmal verwirrende Detailfülle an, die den Leser manchmal den "roten Faden" verlieren lasse, ein Minuspunkt, den der Rezensent in Anbetracht des hohen Informationswertes des Buches billigend in Kauf zu nehmen scheint.
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