Inge Feltrinelli
Das erste Leben

Rowohlt Verlag, Hamburg 2024
ISBN
9783498007263
Gebunden, 384 Seiten, 28,00
EUR
Klappentext
Aus dem Italienischen von Julika Brandestini und Verena von Koskull. Der Journalist Marco Meier erzählt in diesem Buch von Herkunftswelt und Werdegang Inge Feltrinellis, der großen Verlegerin und Fotografin. 1930 als Inge Schönthal geboren, wächst sie als Tochter eines jüdischen Vaters und einer nichtjüdischen Mutter in Essen auf. Meier beschreibt eindrücklich und anschaulich ihre frühen Lebensstationen, von der Kindheit unter dem Nazi-Regime über ihre Jugend in Göttingen bis zu den 1950er-Jahren in Hamburg, wo sie als Fotoreporterin wichtige Kontakte knüpft, so auch zu Heinrich Maria Ledig-Rowohlt. Im Handumdrehen entwickelt sich Inge zu einer gefragten Fotoreporterin in der wichtigsten deutschen Medien- und Kulturstadt der Nachkriegszeit. Sie wird in alle Welt geschickt, um berühmte Persönlichkeiten zu porträtieren, darunter Hemingway, Picasso und de Beauvoir. Als sie eines Tages bei einem Fest in der Villa Rowohlt dem aufstrebenden Verleger Giangiacomo Feltrinelli vorgestellt wird, nimmt eine einzigartige Liebesgeschichte ihren Lauf. Marco Meier führte zahlreiche Gespräche mit Inge Feltrinelli und hatte exklusiven Zugang zum Archiv der Verlegerin.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 09.12.2024
Ein interessantes Leben hat dieses Buch zum Thema, so Rezensent Rainer Moritz, der freilich auch ein paar Probleme hat mit Marco Meiers Biografie Inge Feltrinellis. Ausführlich geht es zunächst, rekonstruiert Moritz, um Kindheit und Jugend der geborenen Inge Schönthal, deren Vater Jude war und 1938 in die USA flüchtete und die dank der Resilienz ihrer Mutter die NS-Zeit in Deutschland überstand. Nach dem Krieg, erzählt Moritz, stieg sie zur erfolgreichen Fotojournalistin auf, einige ihrer Schnappschüsse, etwa von Greta Garbo und Ernest Hemingway, gingen um die Welt, noch später lernt sie dann den Verleger Giangiacomo Feltrinelli kennen und wird schließlich selbst zu einer Größe der Buchbranche. Diese letzte Episode, stellt Moritz klar, kommt im Buch freilich nicht mehr vor. Mit Meiers Erzählweise kann Moritz sich nicht anfreunden, der Autor tut so, als kenne er die Gedanken der Porträtierten, was oft in wenig eleganten Sätzen resultiert. Auch, dass einige aus heutiger Sicht fragwürdige, untergründig rassistische journalistische Arbeiten Feltrinellis nur nebenbei erwähnt, kritisiert der Rezensent. Die Lektüre lohnt sich dennoch, teilt er am Ende mit.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 14.11.2024
Rezensentin Katharina Teutsch liest Marco Meiers Buch über Inge Feltrinelli mit Interesse, ist am Ende aber nicht ganz überzeugt. Meier schreibt, erfahren wir, über Feltrinellis Kindheit und Jugend als Tochter eines jüdischen Vaters und einer sie und die gesamte Familie beschützenden christlichen Mutter, sowie über Feltrinellis Karriere als Fotojournalistin in den 1950ern. Ihr späteres Wirken als Verlegerin kommt jedoch laut Teutsch kaum zur Sprache. Was nun die journalistische Karriere betrifft, verlief diese, so Teutsch mit Meier, sehr erfolgreich, Feltrinelli bekam Künstler wie Picasso vor die Linse, die sonst niemand an sich heran ließen, was allerdings auch Neider auf den Plan rief, die sie mit sonderbaren Methoden zu verunglimpfen versuchten. Meiers Buch selbst ist, findet Teutsch, etwas zu sehr an Klatsch und dem im Leben Feltrinellis nicht eben raren Glamour interessiert, und zu wenig an einer weitergehenden Ausdeutung dieser Biografie. Außerdem hätte die Rezensentin gerne mehr über Feltrinellis späteres Schaffen als Verlegerin erfahren. Das wäre die eigentliche Geschichte gewesen, vermutet sie.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14.10.2024
Komplett zufrieden ist Rezensentin Anna Vollmer nicht mit Marco Meiers Buch. Dabei widmet es sich einer interessanten Persönlichkeit, meint sie, nämlich der Verlegerin Inge Feltrinelli, die in jüngeren Jahren, unter ihrem Geburtsnamen Inge Schönthal eine erfolgreiche Journalistin war. 1930 in Essen geboren, rekonstruiert Vollmer mit Meier die Lebensgeschichte, überlebt die Tochter eines jüdischen Vaters und einer nichtjüdischen Mutter den Holocaust, auch weil es der Mutter gelingt, die Tochter in einer deutschen Schule unterzubringen. Später steigt sie im Journalismus schnell auf, verantwortlich dafür ist, zeichnet Vollmer entlang der Lektüre nach, ihre Resilienz und auch ihre Risikobereitschaft. Ihre Jugend und ihr Äußeres mögen gelegentlich ebenfalls eine Rolle gespielt haben, aber dass Meier seine Protagonistin nur mit ihrem Vornamen nennt und das Mädchenhafte an ihr betont, empfindet Vollmer als unangemessen. Insbesondere auch, fährt Vollmer fort, weil Feltrinelli sich reflektiert über den Blick der Männer auf sich äußerte und klarstellte, dass sie in der Lage ist, sich in einem männlich dominierten Umfeld zu behaupten. Außerdem hätte die Rezensentin gerne mehr über die Stimmung der Zeit gelesen, schreibt die Rezensentin, um einschätzen zu können, wie Feltrinellis Leben sich von dem anderer Frauen unterschieden hat.