Versorgerin, Businesswoman, Mom I'd like to fuck - Mütter sollen heute alles sein. Dass darunter ihr Wohlbefinden leidet, ist kein Wunder. Mareice Kaiser, Journalistin und selbst Mutter, stellt immer wieder fest: Das Mutterideal ist unerreichbar und voller Widersprüche. Nichts kann man richtig machen und niemandem etwas recht. Mutterschaft berührt dabei, natürlich, jeden Lebensbereich: Denn egal, ob es um Arbeit, Geld, Sex, Körper, Psyche oder Liebe geht - Stereotype, Klischees und gesellschaftlichen Druck gibt es überall, auf Instagram, im Bett und im Büro. Mareice Kaiser zeigt, wo Mütter heute stehen: noch immer öfter am Herd als in den Chefetagen. Und, wo sie stehen sollten: Dort, wo sie selbst sich sehen - frei und selbstbestimmt.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14.08.2021
Kerstin Maria Pahl geht ins Detail bei Mareice Kaisers Buch über Mutterschaft im 21. Jahrhundert. Gegen die Mischung aus persönlichem Erfahrungsbericht und historischen Erkundungen zum Thema Mutterschaft, aus denen die Autorin laut Rezensentin recht allgemeine Forderungen nach mehr Familienfreundlichkeit und weniger "mutterschaftsbedingter" Benachteiligung ableitet, hat Pahl nichts. Schwer besorgniserregend aber findet sie den Umgang der Autorin mit ihren Quellen: Zitate ohne Anführungszeichen oder Verweise entdeckt Pahl gleich mehrere. Den Apparat des Bandes findet sie chaotisch. Pahl stößt auf fehlende Seiten- und Jahresangaben. Wann immer die Autorin aus dargelegten Daten und historischen Fakten Folgerungen zu ziehen versucht, wird es laut Pahl zudem holzschnittartig, so wenn Kaiser vom Fortwirken des Mutterbildes des Nationalsozialismus spricht.
Rezensentin Eva Biringer findet toll, wie die Journalistin und Mutter eines an einem Chromosomenfehler verstorbenen und eines nun 7-jährigen Kindes die Zumutungen des "mom game" offenlegt. Nach einem etwas gesuchten Einstieg findet die Rezensentin es spannend, wie Kaiser ihr Leben als Schriftstellerin, Herausgeberin des feministischen Frauenmagazins "Edition F" und Mutter zwischen Home-Schooling, nächtlichen Schreibeinheiten und Depressionen beschreibt und die Vernachlässigung des Themas in der aktuellen Corona-Politik anprangert. Anders als Orna Donath ("Regretting Motherhood") empfindet Kaiser ihre Mutterschaft an sich allerdings als ein Geschenk und hält nur den gesellschaftlichen Umgang damit für falsch, betont die Rezensentin, die von Kaisers Liebeserklärung an ihre Tochter berührt ist.
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