Filme ohne einzelne Hauptfiguren sind in den 1990er Jahren zu einem transkulturellen Phänomen geworden. In Ensemble- und Mosaikkonstellationen entwerfen sie Welten ohne eigentliche Helden, erproben neue expressive Ausdrucksformen und (schwach) narrative Dynamiken. Durch ihre Ikonografien des Alltags und ihren fast ethnografischen Blick auf das Geflecht der Begegnungen entwickeln sie polyphone Möglichkeiten des azentrischen Erzählens. Zugleich verschieben sie die Grenzen zwischen Fiktion und Chronik - und erlauben so auch eine Konfrontation mit dem kulturellen Anderen. Die Studie stellt die pluralen Figurenkonstellationen in eine facettenreiche Tradition, die bis zum Querschnittfilm der 1920er Jahre zurückreicht. Sie thematisiert ihre Auswirkungen auf Körperbilder, Schauspiel und Subjektkonzeption, Montage und Zuschaueraktivität und verankert sie in verschiedenen Kultur- und Theoriekontexten. Offene Welten ohne Helden versteht sich als Beitrag zur Erneuerung der Filmnarratologie.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 28.06.2008
Spannend und akademisch ebenso unorthodox wie anspruchsvoll findet Rezensent Bernd Stiegler dieses Buch der Zürcher Filmprofessorin, bei dem es um eine überarbeitete Fassung ihrer Habilschrift handelt. Allerdings ist es dem Leseeindruck des Rezensenten zufolge auch ein "umständliches Buch", was seiner Darstellung zufolge damit zusammenhängt, dass Margrit Tröhler ihre Befunde über die Diffusion der Weltbilder durch sich verändernde Narrationstechniken des Films nicht nur theoretisch verhandeln würde, sondern auch in der Form ihrer Darstellung, also einer "kompositionellen Offenheit" habe abbilden wollen.
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