Marie-Helene Lafon

Die Annonce

Roman
Cover: Die Annonce
Rotpunktverlag, Zürich 2020
ISBN 9783858698889
Gebunden, 180 Seiten, 22,00 EUR

Klappentext

Aus dem Französischen von Andrea Spingler. Paul, 46, ist Bauer in der Auvergne. Mitten im Nirgendwo, auf tausend Metern Höhe, betreibt er den familieneigenen Hof. Nur will er nicht wie seine beiden alten Onkel als Junggeselle enden und gibt eine Annonce auf. In einer tristen Industriestadt am anderen Ende Frankreichs hat Annette, 37, gerade eine gescheiterte Beziehung mit einem straffälligen Alkoholiker hinter sich. Einen Vater im Gefängnis möchte sie ihrem elfjährigen Sohn Éric nicht auch noch zumuten, und sie reißt die Annonce aus der Zeitschrift aus. Nach ersten Treffen auf halber Strecke hat Annette außer ein paar Fotos von einer unbekannten Welt besonders Pauls Hände vor Augen - Hände, die auf sie warten. Sie geht das Wagnis ein und zieht mit Éric und ein paar Möbeln aufs Land. Doch der Empfang ist frostig. Pauls sture Onkel und seine Schwester Nicole lassen die beiden Neuankömmlinge unmissverständlich spüren, dass auf dem Hof kein Platz für sie ist. Mit plastischer, rhythmischer Sprache und einem Gespür für Seelenzustände erzählt Marie-Hélène Lafon, wie die Ankunft der Fremden in der bäuerlichen Bergwelt allen Beteiligten etwas abverlangt - und, trotz allem, eine leise Liebe geschieht.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 08.07.2020

Rezensentin Sigrid Brinkmann ist beeindruckt von diesem Roman der selbst in der Auvergne geborenen französischen Autorin. Dort spielt auch der Roman, der von einem Bauern erzählt, der per Annonce eine Anzeige sucht. Seine zwei Onkel und die Cousine, die ihnen den Haushalt führt, sind nicht begeistert. Aber die Landwirtschaft ist ein hartes Brot, und der Bauer ist einsam, lesen wir. Die Frau, die ihm antwortet, hat auch kein leichtes Leben: eine Kassiererin aus dem Norden mit einem Sohn. Der Vater des Jungen sitzt im Gefängnis. Die Annonce ist eine Chance für sie, ihrem tristen Leben zu entkommen. Brinkmann lobt die "unprätentiöse" Erzählweise der Autorin und ihre Ehrlichkeit: Sie macht kein Geheimnis daraus, wie mies sich die Familie den beiden Neuankömmlingen gegenüber verhält. Das Ende bleibt "in der Schwebe", verrät sie.
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