Aus gleichem Holz
Roman

Atlantis Verlag, Zürich 2025
ISBN
9783715250458
Gebunden, 128 Seiten, 20,00
EUR
Klappentext
Aus dem Französischen von Ruth Gantert. Ein Bauernhof im Südosten Frankreichs. Hier verbringt man sein ganzes Leben unter demselben Dach, man wird im linken Bett geboren, stirbt im rechten, und in der Zwischenzeit kümmert man sich um die Tiere im Stall.Weit weg von den Verlockungen der Stadt wird sie groß, die "Kleine", bei der besorgten Mutter, der rührenden Oma, dem fleißigen Opa und dessen Bruder, den man lieber im Hinterzimmer versteckt. Und natürlich mit den Kühen, die ihre Kälber ablecken, den Kaninchen, die irgendwann dran glauben müssen und den Kindern die weißen Schwänze bescheren, für Spiele, die man immer schon gespielt hat. Wenn "die Kleine" die Wörter der Oma, die Gesten des Opas oder die Gesichtszüge der Mutter beobachtet, kann sie sehen, wie alle etwas weitertragen - bis hin zu ihr. Marion Fayolle beschreibt eine Welt, scheinbar unveränderlich und außerhalb von Zeit und Raum. Und doch machen sich in ihren Fugen erste Risse bemerkbar, weil sie eingeholt wird vom Tod und der Moderne.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 24.10.2025
So unaufgeregt, so bedacht und genau wie die Comiczeichnerin Marion Fayolle über eine untergehende Lebensform schreibt, so schreibt Rezensent Stefan Michalzik über ihren Roman - ein Debüt, in dem sie zeigt, dass sie nicht nur Comics zeichnen kann, sondern auch erzählen. Es ist ein "kondensierendes Erzählen", erklärt Michalzik, das die Übersetzerin gekonnt ins Deutsche übertragen hat: schlicht, knapp, und dennoch voller Details, die den kleinbäuerlichen Alltag auf dem Land erlebbar machen, ohne ihn zu idealisieren. "Lakonisch-präzise", teils fast schon satirisch beschreibt Fayolle das Leben und Sterben von Tieren und Menschen auf dem Hof, die Schwermut, die in der Familie liegt, die Sehnsucht der Jüngeren nach einem anderen Leben, aber auch die Idylle dieser kleinen Welt. Dabei geht es nicht um "Individuelle Schicksale", stellt der Rezensent klar, sondern darum, eine Lebensform schildern, die auszusterben droht - literarisch festzuhalten also, was sonst verloren gehen würde.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 08.07.2025
Ein tolles Romandebüt hat die Comiczeichnerin Marion Fayolle Rezensent Niklas Bender zufolge geschrieben. Gewidmet ist es dem Leben auf einem Bauernhof, wo viele Biografien gleichförmig ablaufen, wie Bender erkennt. Im Zentrum steht eine der Töchter des Hauses, genannt die "Kleine", die einzelnen Kapitel sind einerseits chronologisch, andererseits thematisch sortiert: Eines widmet sich etwa den Tieren. Geschickt erzählt erscheint Bender das Buch: Ihm gefällt vor allem die lakonische Sprache, aber auch Fayolles durch Comics geprägte Vorliebe für bildliches Schreiben. Insgesamt entsteht dabei eine faszinierende Welt voller teils eigenartiger Figuren: Lust und Sterben sind wichtige Teile der hier geschilderten Existenzen. Dass der Hof am Ende nicht überleben wird, macht das Buch für den Kritiker auch zu einem Denkmal für etwas, das es nicht mehr gibt.