Herausgegeben und mit einem Vorwort versehen von Elisabeth Borchers. Ein Lesebuch ist dazu da, ein Brückenschlag zu sein: eine Brücke zwischen einem potentiellen Leser und einem literarischen Werk. Ein Lesebuch will einen Überblick verschaffen über ein Gesamtwerk, das allzu welt- und weiträumig ist, als daß man sich mühelos zurechtfände. Das Werk von Marie Luise Kaschnitz bedarf noch immer der Entdeckung. Der Entdeckung von Erzählungen und Gedichten, von Tagebüchern und Erinnerungen. Es scheint, als sei die Dichterin beständig aufnahmebereit gewesen für jedwede Regung und Möglichkeit, die Literatur zu bereichern, ihre Lebenswahrnehmungen zu dokumentieren, sie durch die Leser beglaubigen zu lassen.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 18.07.2002
Angelika Overath ist von dieser Anthologie, die Prosatexte, Tagebucheintragungen und Gedichte enthält, sehr angetan, auch wenn sie findet, dass die Herausgeberin mit einem "Überblick" mehr verspricht als ein solcher Band leisten kann. Denn das Buch zeige eine "sehr persönliche Auswahl", so die Rezensentin, für die Kaschnitz eine der "größten deutschsprachigen Dichterinnen" des vorigen Jahrhunderts ist. Als Schwerpunkt der verschiedenen Texten erkennt Overath das Älterwerden, wobei sie es schade findet, dass die Anthologie auf Datierungen verzichtet und somit die Einordnung der Texte sowohl in die Zeitgeschichte als auch in die Lebensgeschichte der Autorin erschwert. Für die Rezensentin ist der Text "Beschreibungen eines Dorfes" das unbestrittene "wunderbare Prosaherz" des Bandes und sie erkennt hier Kaschnitz als "Perfektionistin der Behutsamkeit".
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