Juhanis Freunde finden es etwas seltsam, dass er ständig nach einer Harley-Davidson Ausschau hält. Aber auf genau so einem Ding ist Juhanis Vater Lasse, ein Tangosänger mit begnadeter Stimme, ein Tingler und Windbeutel, vor vier Jahren nach Afrika abgehauen. Eines Tages entdeckt der 13jährige Juhani in der benachbarten Siedlung eine Harley. Schon wieder hofft er, sein Vater sei zurückgekehrt. Schon wieder umsonst. Zum Glück ist da noch Milja, in die er sich verliebt, mit ihren sehr blauen Augen und den sehr hellen Haaren, mit denen sie ein bisschen aussieht wie die finnische Flagge. Mit ihr verbringt er den Sommer bei seinen Großeltern am See. Als das Bild seines Vaters schon langsam verblasst, wird es unerwartet wieder lebendig.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 30.07.2003
Die finnische Autorin Marjaleena Lembcke lebt seit 35 Jahren in Deutschland, erklärt der Rezensent mit dem Kürzel "gew.", und sie erzählt in ihren Jugendbüchern aus der Zeit ihrer Kindheit. In diesem Fall spielt die Geschichte im Finnland der sechziger Jahre, vermutet der Rezensent, wo der 13-jährige Juhani auf die Rückkehr seines Vaters wartet, der sich einst mit einer Harley-Davidson aus dem Staub gemacht hat. Die Autorin entwirft eine "heile, eine behutsame, wohl auch längst versunkene Welt", wo sich die Menschen noch gegenseitig helfen, und sie erzählt "so unspektakulär poetisch wie die weitläufige finnische Landschaft", lobt der Rezensent.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 17.03.2003
Eine ungewöhnliche Besetzung bietet das folgende Jugendbuch auf, findet Sybil Gräfin Schönfeldt: es spielt in Finnland, die Mutter besitzt ein Bestattungsunternehmen, der Vater war Tangosänger. Der ist auf seiner Harley-Davidson davongebraust. Als eine solche plötzlich im Dorf auftaucht, bricht bei Juhani die Sehnsucht nach dem Vater auf, und er beginnt sich für dessen Geschichte zu interessieren. Ganz behutsam lässt die Autorin ihre Hauptfigur sich aus der Kindheit lösen, meint Schönfeldt, umgeben von einem ihm wohlgesonnenen sozialen Netz, das den Jungen auffängt, auch wenn seine Enge den Vater vertrieben haben mag. Die Loslösung von der Traumfigur des Vaters wie auch von seiner Umgebung geschieht in Juhanis Fall so taktvoll und ohne jeden Ton der Belehrung wie irgend wünschenswert, stellt Schönfeldt fest. Für sie hat der Roman alle Zutaten für einen Klassiker der Kinderliteratur.
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