In den frühen 1920er Jahren fand sich in Essen eine kleine Gruppe von Idealisten zusammen. Der "Bund - Gemeinschaft für sozialistisches Leben" war auf der Suche nach einer Lebensweise, die Körper, Geist und Seele in Einklang bringen sollte. Doch mit dem Aufstieg der Nationalsozialisten änderte sich die Agenda seiner Gründer: Sie arbeiteten gegen das Regime und wurden in der Judenhilfe aktiv. Sie schrieben Briefe an die Opfer, verschickten Pakete mit Lebensmitteln und Kleidern, verschafften den Verfolgten Unterkünfte und unterstützten einige dabei, im Untergrund zu überleben. Anhand von unveröffentlichten Aufzeichnungen, Fotos und Interviews mit früheren Mitgliedern erzählt der britische Historiker Mark Roseman die bislang weitgehend unbekannte Geschichte des "Bunds" und wirft ein neues Licht darauf, was es bedeutete, in dieser dunklen Zeit Hilfe zu leisten.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 20.07.2020
Der hier rezensierende Zeithistoriker Wolfgang Benz schätzt Mark Rosemans Buch über die "Gemeinschaft für sozialistisches Leben", gegründet 1924 im Ruhrgebiet, verpflichtet den Lebensreformidealen und der Arbeiterbewegung. Wie die Mitglieder mit Kant und Marx gegen den NS-Staat und die Judenverfolgung agierten und agitierten, erfährt Benz von Roseman in zwar emotionaler Darstellung, aber auf starkem Materialfundament und in eingängiger Schreibweise. Die deutsche Übersetzung möchte der Rezensent allerdings gern entschlacken von oberlehrerhafter Intonation und der ein oder anderen zumindest für deutsche Leser überflüssigen historischen Hintergrundinformation.
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