Das Anthropozän bringt eine tiefgreifende ökologische Diagnose auf den Begriff: Der Mensch hat das gesamte Erdsystem so gravierend verändert, dass wir von einer neuen erdgeschichtlichen Epoche ausgehen müssen. Klimawandel, Artenschwund, die Störung wichtiger Stoffkreisläufe, die Versauerung der Meere, Versteppung und Entwaldung, allgegenwärtige Toxine sind nur einige Dimensionen dieses tiefgreifenden Wandels. Angesichts dieser Tatsache stellensich den heutigen Gesellschaften völlig neue Fragen: Was heißt es, den Menschen als geologische Kraft zu verstehen? Was ist Natur, wenn sie weltweit vom Menschen beeinflusst und geformt ist? Und wie kann sich Politik dieser globalen Problematik stellen?
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 19.11.2019
Rezensent Christian Schwägerl liest zwei neue Bücher zum Anthropozän, wobei sich die von dem ehemaligen Umweltpolitiker Michael Müller herausgebenen Essays des Atmosphärenforschers Paul J. Crutzen eher für die tiefergehende Lektüre eignen, während er das Buch der Literaturwissenschaftler Eva Horn und Hannes Bergthaler zur Einführung empfiehlt. Der Kritiker verdankt Horns und Bergthalers Band zunächst genügend Grundlagenwissen, um dann von den AutorInnen in die Politik des Anthropozäns und deren Aufgaben eingeführt zu werden - worüber er allerdings nicht allzu viel verrät. Dass es höchste Zeit ist, Verantwortung für unseren Planeten zu übernehmen, lernt Schwägerl hier in jedem Fall.
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