Marshall Sahlins

Die ursprüngliche Wohlstandsgesellschaft

Cover: Die ursprüngliche Wohlstandsgesellschaft
Matthes und Seitz, Berlin 2024
ISBN 9783751830249
Kartoniert, 143 Seiten, 14,00 EUR

Klappentext

Herausgegeben von Andreas Gehrlach. Aus dem Amerikanischen von Heide Lutosch. Mit diesem kurzen Text, der in den 1970er-Jahren als erstes Kapitel eines ganzen Bandes zu den Stone Age Economics erschien und erstmals in deutscher Übersetzung vorliegt, bricht Marshall Sahlins mit dem vorherrschenden ökonomischen Paradigma, dass mehr Arbeit auch mehr Wohlstand bringt. Denn bis heute wird es weltweit täglich Lügen gestraft, was der Annahme von der ursprünglichen Wohlstandgesellschaft die Brisanz verleiht, die sie noch immer hat: Was wäre, wenn wir immer schon reich gewesen sind? Und was verschiebt sich, wenn wir Armut nicht als eine geringe Menge an Gütern im Besitz Einzelner begreifen, sondern als ein Verhältnis zwischen den Menschen? Was der weltberühmte Anthropologe anhand empirischer Beispiele entwirft, stellt einen radikalen theoretischen Bruch mit dem Höher-Schneller-Weiter dar, das die westliche Konsumgesellschaft vorantreibt. Wenn es neben der Befriedigung von Bedürfnissen durch immer größere Produktion noch einen anderen Weg gibt, dann sollten wir ihn gerade angesichts der Vernutzung unseres Planeten und der Ungleichheit in der Verteilung von Teilhabe wieder in Betracht ziehen: dass Reichtum auch darin bestehen kann, weniger zu begehren. 

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 19.12.2024

Weitgehend einverstanden ist Rezensent Moritz Klein mit den Thesen, die der Anthropologe Marshall Sahlins in diesem Klassiker seines Fachs hier ausbreitet. Die nun erstmals auf Deutsch vorliegende Schrift argumentiert, dass es sich bei Jäger-und-Sammler-Gesellschaften eben gerade nicht um Mangelgesellschaften handelt, wie ein "eurozentrischer" Blick nahelege, sondern dass die Menschen dort insgesamt weniger arbeiten mussten und deswegen Arbeit auch weniger wertschätzten. Insofern konnten diese Gesellschaften, liest Klein, trotz ihres bescheidenen Lebensstandards, ein qualitativ besseres Leben führen, was sich unter anderem darin ausdrückt, dass sie sich weniger Sorgen machten. Das die Marktwirtschaft hingegen für ein Anwachsen von Armut sorgt, wie Sahlins schreibt, leuchtet dem Rezensenten sofort ein. Ein wichtiges Buch, so der Tenor der Besprechung, weil es auf Jäger und Sammler nicht mehr durch die Brille des Kapitalismus blicke. Man hätte jetzt nur noch gern gewusst, wie alt die Jäger und Sammler der Frühzeit wurden, ohne die von kapitalistischen Unternehmen erfundene Medizin.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30.11.2024

Rezensent Helmut Mayer liest den 50 Jahre alten Text des Anthropolgen Marshall Sahlins mit Interesse. Dem Autor attestiert er Witz und Verve, wenn er die Idee westlicher Konsumgesellschaften von dauernder Produktivität und ständigem Fortschritt kritisiert. Sahlins Darstellung von Jäger-und Sammler-Kulturen als vergleichsweise effektiv mangelt es laut Mayer allerdings an Empirie. Mayer fragt sich auch, ob der Text sich wirklich als Plädoyer für alternative Lebensformen eignet, wie es das Vorwort sieht. Für den Rezensenten eine eher fragwürde Indienstnahme der Anthropologie. Als Anregung zum Nachdenken eignet sich der Text aber allemal, findet er.

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