Polen war schneller. Das Land hat 2005 und 2015 mit der PiS-Partei eine rechtspopulistische Regierung gewählt, als in Deutschland die AfD noch Anlauf genommen hat. Polen hat erlebt, wie rasant und vor allem radikal Grundfesten der Demokratie angegriffen und umgebaut werden können, wenn eine politische Kraft nur rücksichtslos genug vorgeht. Seitdem lässt sich hier beobachten, wie schwer die Rückkehr zu funktionierenden Institutionen, zu ausgewogener Medienberichterstattung und schlicht zu einer konstruktiven demokratischen Kultur ist. Und es wird klar: Rechtspopulismus mal für ein paar Jahre ausprobieren zu wollen, ist ein sehr gefährliches Experiment.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 19.05.2026
Viel lernt Rezensent Stefan Locke aus Martin Adams Buch über die Politik eines Nachbarlandes Deutschlands, das von den hiesigen Medien meist wenig beachtet wird. Es geht um Polen, genauer gesagt um die Art und Weise, wie sich die PiS-Partei im dortigen politischen System eingenistet hat, und zwar so nachhaltig, dass sie auch nach der jüngsten Wahlniederlage und dem Verlust der Regierungsmacht noch jede Menge Einfluss hat. Die neue Regierung unter Donald Tusk hat alle Mühe, beschreibt Adam, die korrupten Strukturen, die PiS etabliert hat, aufzubrechen, die gesamte Verwaltung ist durchsetzt mit Loyalisten der Rechtspopulisten, die sich gegenseitig decken. Adam zeichnet außerdem nach, wie PiS überhaupt eine solche Position erlangen konnte, Schuld daran sind auch die anderen Parteien, die die Bedürfnisse der Bevölkerung nach sozialer Sicherung und kultureller Unabhängigkeit nicht befriedigen konnten. Jetzt hat Polen den Salat - man lernt aus diesem vorurteilsfreien Buch, meint Locke, dass Populisten nicht dadurch besiegt werden, dass man ihnen nachplappert, vielmehr geht es darum, eigene politische Ideen zu entwickeln. Alles in allem eine hochinteressante Lektüre, so das Fazit.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 11.05.2026
Rezensentin Viktoria Großmann liest das Buch des Journalisten Martin Adams über das Leben mit der PiS-Partei mit Interesse. Der Frage, was die PiS-Wähler umtreibt, nähert sich der Autor laut Großmann mit dem Ziel, alte Denkmuster zu hinterfragen. Was proeuropäisch ist hinterfragt er, indem er etwa polnische Milchbauern besucht, die PiS wählen und dennoch für die EU stimmen. Das Buch bietet vorurteilsfreie Beobachtungen aus "anschaulicher" Reportagesicht und hinterfragt Gewissheiten, die uns nicht allzu lieb sein sollten, findet Großmann.
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