Die Achse der Autokraten
Korruption, Kontrolle, Propaganda: Wie Diktatoren sich gegenseitig an der Macht halten

Siedler Verlag, München 2024
ISBN
9783827501769
Gebunden, 208 Seiten, 26,00
EUR
Klappentext
Autokratische Herrschaft besteht im 21. Jahrhundert nicht länger nur aus einem Tyrannen an der Spitze, der mit Gewalt sein Volk unterdrückt: Heute werden Autokratien durch ausgeklügelte Netzwerke geführt, es hat sich eine neue internationale autokratische Allianz gebildet, wie Bestsellerautorin Anne Applebaum in ihrem neuen Buch zeigt. Von China bis Weißrussland, von Syrien bis Russland unterstützen sich Autokraten von heute gegenseitig mit Ressourcen und Equipment made in Iran, Myanmar oder Venezuela: von Propaganda-Trollfarmen und Bots über Investitionsmöglichkeiten für ihre korrupten Staatsunternehmen bis hin zum Austausch modernster Überwachungstechnologien. Applebaum offenbart, wie die Diktatoren der Welt hinter den Kulissen zusammenarbeiten und sich mit aggressiven Taktiken gegenseitig Sicherheit und Straffreiheit verschaffen. Und sie macht deutlich, wie diese autokratische Allianz unsere Demokratie untergräbt.
BuchLink. In Kooperation mit den Verlagen (
Info)
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 11.11.2024
Anne Applebaum legt für Rezensentin Sieglinde Geisel einen überzeugenden Überblick über die "flexiblen Zweckbündnisse" vor, die Autokratien und Diktaturen weltweit eingehen, um ihre Macht zu erhalten und Demokratien zu zerstören. Von Russland über Syrien bis Venezuela werden die verschiedensten Staaten beleuchtet und aufgezeigt, welche Strategien sie von Waffenlieferungen an Rechtsextremisten bis Finanzspritzen an Terroristen zur Destabilisierung nutzen, so Geisel. Dass Putin und Xi Jinping bestimmt Begriffe nutzen, zum Beispiel von "Souveränität" sprechen statt von Menschenrechten, um sich so weiter gegen demokratische Bestrebungen wehren, kann Applebaum kenntnisreich vermitteln. Die Kritikerin lobt, dass das Buch trotz des schweren Themas einnehmend geschrieben ist und nicht vergisst, an unsere Verantwortung beim Fortbestand der Demokratie zu appellieren.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 17.10.2024
Rezensent Thomas Ribi lernt von Anne Applebaum viel darüber, wie Autokraten weltweit immer mehr an Macht gewinnen. Unter anderem, erläutert er nach der Lektüre, indem sie sich gegenseitig unterstützen, und zwar auch dann, wenn sie ideologisch nicht viel gemeinsam haben. Als Beispiele nennt sie iranische Drohnenlieferungen an Russland, so Ribi, oder auch die Hilfe, die der weißrussische Diktator Alexander Lukaschenko von seinesgleichen erhält. Autokraten wie Lukaschenko setzen ihre Machtinteressen inzwischen ganz offen durch, beschreibt Ribi mit Applebaum, auch weil der Westen, der lange vergeblich auf Wandel durch Handel setzte, dem nichts entgegenzusetzen habe. Applebaum plädiert nun für ein Umdenken, und ganz besonders für eine Fortsetzung der Waffenlieferungen an die Ukraine, so Ribi. Neue Erkenntnisse bringt dieses Buch nicht, gesteht er, aber es gelinge Applebaum, ein erfahrungsgesättigtes Gesamtbild von der derzeitigen bedrohlichen Weltlage zu zeichnen.
Rezensionsnotiz zu
Die Tageszeitung, 16.10.2024
Nach dieser Lektüre ist Rezensent Andreas Fanizadeh überzeugt, das "Buch der Stunde" gelesen zu haben und legt es allen, die an Diskussionen über Israel oder die Ukraine teilnehmen wollen, wärmstens ans Herz. Mit offensichtlicher Begeisterung folgt Fanizadeh der Argumentation von Anne Applebaum: Überall auf der Welt sprudeln wieder die wütenden Quellen autoritärer Triebe, und der westliche Liberalismus ist von allen Seiten unter Beschuss. Autoritäre Regime destabilisieren zum Beispiel, indem sie Scheinfirmen und Pseudobanken gründen und sich mit Kursbetrügereien beschäftigen. So werden autokratische Systeme zu "international agierenden Mafiabanden", eine Metapher, die dem Kritiker gut gefällt. Besonders aufschlussreich findet er Applebaums Ausführungen über den globalen Informations- und Medienkrieg. Rechtspopulisten und Autokraten nutzen jedes Mittel, um gegen die liberale Demokratie zu hetzen. Offene Gesellschaften sind deshalb auf die Vernunft ihrer Bürger angewiesen, schließt Applebaum - ein Fazit, dem sich der Rezensent nur anschließen kann.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 14.10.2024
Ein kluges Buch über den prekären Zustand der Welt hat Anne Applebaum laut Rezensentin Viola Schenz geschrieben. Gewidmet ist es dem weltweiten Siegeszug der Autokraten, für den sie keine globale Verschwörung, wohl aber geschickte Kollaborationen von totalitären Regimes verantwortlich macht, die nicht durch eine gemeinsame Ideologie, sondern nur durch ihre Ablehnung des Westens zusammengehalten werden. Als Beispiele nennt Applebaum unter anderem den Gegenwind, den die Ukraine bei ihren Forderungen nach Unterstützung erhält, sowie die Ölverkäufe an China und Indien, die dem Iran dabei helfen, Terrormilizen im Nahen Osten zu finanzieren. Die Autokraten der Gegenwart, liest Schenz, tun nicht einmal mehr so, als würden sie das Beste für ihr Land wollen, stattdessen setzen sie darauf, die eigene Bevölkerung apathisch und hoffnungslos zu machen. Allzu viel Hoffnung macht auch Applebaums stark argumentiertes und angenehm verdichtetes Buch nicht, gesteht die Rezensentin ein, die Hoffnungen auf Wandel durch Handel haben sich inzwischen zerschlagen. Die Demokratien müssten eine Gegenachse bilden, erklärt Schenz, der Westen dürfte nicht immer nur auf den eigenen Vorteil blicken und Freiheitsbestrebungen auch andernorts fordern. Es bleibt in diesem empfehlenswerten Buch freilich bei einem Appell an die Optimisten dieser Welt, lesen wir zum Schluss.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk, 14.10.2024
Die Lektüre lässt Rezensent Martin Tschechne die Haare zu Berge stehen: Wann ist das passiert, fragt er entsetzt? Wann haben Autokraten angefangen, auf den Anschein von Demokratiefreundlichkeit zu pfeifen? Sie zeigen sich ganz offen als das was sie sind und knüpfen offenbar gut funktionierende Netzwerke, für die Anne Applebaum in ihrem Buch die Belege liefert, so Tschechne. Sie beginnt 1967, mit der Idee Willy Brandts der Sowjetunion durch Handel zu einem Wandel zu verhelfen. Klappte nicht, auch nicht mit China, so Applebaum, die sich in ihrem Buch fragt, warum dieses Scheitern so lange ignoriert wurde. Angela Merkel steht da ganz vorn in der Kritik bei Applebaum, schreibt der Kritiker, aber auch amerikanischen Präsidenten wie Clinton werfe sie vor, blind gewesen zu sein gegenüber "Korruption, Desinformation und Kleptokratie" gewesen zu sein und so "zum Aufbau von Autokratie und Rechtlosigkeit" beigetragen zu haben.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.10.2024
Rezensent Patrick Bahners ahnt, dass der Glaube an falsche Propheten aka Autokraten im Westen genauso grassiert wie anderswo. Anne Appelbaums Buch macht das unter anderem deutlich, findet er. Klar wird bei Applebaum laut Bahners auch, wie businesslike autokratisch geführte Staaten agieren, ob Putins Russland oder Mugabes Simbabwe, und wie sehr sie von der Globalisierung profitieren. Die Montage aus parabolischen Anekdoten findet Bahners überzeugend, die Idee, die Deregulierung zurückzunehmen, um autokratische Exzesse zu unterbinden, weniger.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 12.10.2024
Rezensentin Julia Encke lernt in Anne Applebaums Buch, wie Autokratien sich an der Macht halten und dabei auch demokratische Staaten infiltrieren. Dabei vertrete die US-amerikanisch-polnische Journalistin und neue Friedenspreisträgerin des Deutschen Buchhandels die These, dass Autokratien wie China oder Russland längst nicht nur von egomanischen Einzelfiguren in ihrem Zentrum kontrolliert würden, sondern von ganzen Informations- beziehungsweise Desinformationsnetzwerken, die global implantiert werden und ohne die Kooperation mit anderen, nicht-autokratischen Staaten gar nicht möglich seien. Auch auf die zumindest von Putin möglicherweise als solche gelesene "Kooperation" Merkels beim Bau von Nord-Stream-2 auch noch nach 2014 geht Applebaum ein und verfährt auch an anderer Stelle wenig zimperlich mit Kritik an der deutschen Ostpolitik, so Encke. Wie Applebaum diese wichtigen Analysen aufziehe, zwar teils recht meinungsstark, vermittelt Encke, aber historisch bestens unterfüttert, angereichert mit vielen Beispielen, investigativ und dann auch noch "atemberaubend gut geschrieben", findet die Kritikerin höchst beachtenswert.