Herausgegeben von Hans-Joachim Friedrich. Wenn Nietzsche in seiner II. Unzeitgemäßen Betrachtung nach dem Nutzen und Nachteil der Historie für das Leben fragt, so geht er dabei - wie Heidegger in seiner Auslegung dieser Schrift im Seminar vom Wintersemester 1938/39 zeigt - von einem zweideutigen Lebensbegriff aus. "Leben" meint hier zum einen das Seiende im Ganzen als All-Leben und zum anderen in betontem Sinne das menschliche Leben. Vor diesem Hintergrund vergleicht Nietzsche den historischen Bezug des Menschen zur Vergangenheit mit der Gegenwartsbezogenheit des Tieres. Den Maßstab bildet hierbei das Leben im weiteren Sinne, an dem speziell die Bedeutung der Historie für das menschliche Leben abgeschätzt werden soll. Allein - das ist die Grundfrage, die Heidegger daraufhin stellt: Lässt sich die Historie in dieser Weise mit dem Leben als solchem verrechnen? Wer oder was ist denn der Mensch?
Im Wintersemester 1938/9 veranstaltete Martin Heidegger in Freiburg ein Seminar zu Nietzsches Zweiter Unzeitgemäßer Betrachtung "Vom Nutzen und Nachteil der Historie". Keineswegs, zerstreut der Rezensent Jürgen Busche sofort etwaige Befürchtungen, zeigte Heidegger, wie die jetzt veröffentlichten Notate von Heidegger selbst und seinen Schülern belegen, das mindeste Interesse an einer nationalsozialistischen Interpretation des Philosophen. Vielmehr war es ihm um die Einordnung Nietzsches in die philosophische Tradition zu tun und dabei in erster Linie um die genaue Darlegung der Rolle, die er als Wegbereiter für Heideggers eigene Philosophie spielen konnte. Was der Band dabei vor allem demonstriert, sei freilich, so Jürgen Busche, wie aktuell das Denken des einen wie des anderen noch ist. Schließlich hätten die wirklich interessanten Philosophen der Gegenwart, von Foucault bis Derrida, an Nietzsche wie Heidegger anzuschließen verstanden.
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