Die Abhandlung erschließt Grundlagen der menschlichen Selbstverständigung im Spannungsbogen von Faktizität und Geschichtlichkeit. Im Zentrum steht Heideggers Frühwerk, wie es in den Vorlesungen der Jahre 1919 bis 1923/24 vorliegt. Was sich hier Bahn bricht, ist das, was Heidegger als eine phänomenologische Hermeneutik des faktisch-historischen Lebens bestimmt. Während die frühen Texte bislang mit eher genealogischem Blick auf die Vorgeschichte von Sein und Zeit thematisiert wurden, liest der Autor sie als eine philosophisch eigenständige Position. Heidegger gewinnt seine Theorie des faktisch-historischen Lebens in der Kontur einer Philosophie der Situation durch die hermeneutische Transformation der Husserlschen Phänomenologie. Daher setzt sich die Abhandlung eingehend mit Husserl und dem ihn prägenden Ansatz Descartes' auseinander.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 30.04.2002
Die Diskussion des Heidegger'schen Denkens verläuft meist in begrenzten Bahnen - neben ideologiekritischen Auseinandersetzungen mit Heidegger geht es überwiegend um die Untersuchung seiner Entwicklung von der früheren "Fundamentalontologie" in "Sein und Zeit" zum späteren Konzept einer "Seinsgeschichte", erklärt Rezensent Günter Figal. Wie Figal ausführt, setzt Hans Helmuth Gander im Unterschied dazu ganz auf Heideggers Frühwerk, insbesondere auf seine Vorlesungen bis zum Jahr 1923, und liest diese als eigenständige, "durch ihre Beschreibungskraft faszinierende Beiträge zu einer Phänomenologie des menschlichen Lebens." Heidegger erörterte laut Figal in diesen Vorlesungen die Möglichkeiten des Selbstverständnisses des Menschen und dessen Angewiesenheit auf den Kontext der Lebenswelt, und zwar unbelastet von seinem ontologischen Programm. Gander suche in seiner Studie diesen Heidegger'schen Ansatz im Einzelnen zu entfalten und seine Attraktivität für sozialphilosophische und diskurstheoretische Fragestellungen herauszuarbeiten. Das gelingt ihm nach Ansicht des Rezensenten bestens. Der Rezensent hebt hervor, dass Gander Heideggers Denken so für "neuere und gegenwärtige Fragestellungen" öffnet. Figal hält Gander insbesondere zu Gute, dass er bei seinen Ausführungen nicht in den Schemata und Begriffen gegenwärtiger Debatten kleben bleibt, sondern die herangezogenen Texte "um der Klärung der Sache willen" sensibel interpretiert. Dass die Welteingebundenheit des Menschen für ein angemessenes Verständnis des menschlichen Lebens nötig ist, sei heute in der Philosophie jedem klar. Aber Gander kommt nach Figal das Verdienst zu, "eindrucksvoll" gezeigt zu haben, "welche differenzierten Beschreibungen und Analysen dieses Lebens sich ergeben, wenn man seine Welteingebundenheit eigens berücksichtigt".
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