Mary Fulbrook

Das ganz normale Leben

Alltag und Gesellschaft in der DDR
Cover: Das ganz normale Leben
Primus Verlag, Darmstadt 2008
ISBN 9783896786432
Gebunden, 364 Seiten, 29,90 EUR

Klappentext

Wie war das Leben in der ehemaligen DDR wirklich? Die Analyse des repressiven politischen Systems mit Mauerbau und Stasi, politischer Unterdrückung und Mangelwirtschaft gibt nur einen Teil der Wahrheit wieder. Die Erfahrungen, Wahrnehmungen und Erinnerungen vieler Ostdeutscher zeigen ein anderes Bild: Viele erklärten nach der Wiedervereinigung 1990, sie hätten ein ganz normales Leben geführt. Auf Grund der reichhaltigen Quellen in den nun geöffneten DDR-Archiven sowie zahlreichen Gesprächen mit Menschen, die in der DDR gelebt haben, geht Mary Fulbrook diesem Widerspruch nach. Sie zeigt anschaulich die Realität des alltäglichen Lebens in der DDR, und gibt aufschlussreiche Einblicke in die wirtschaftlichen und sozialen Umstände sowie die individuelle Lebensgestaltung der DDR-Bürger.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14.01.2009

"Nicht nur eine Diktatur", sondern eine "partizipatorische Diktatur" sieht die amerikanische Historikerin Mary Fulbrook in der DDR und wendet sich damit "gegen eine von der Totalitarismustheorie geprägte Betrachtungsweise" wie auch gegen eine Tendenz vieler anderer Rückblicke, so Rezensent Dirk Klose. Zwar lasse sie keinen Zweifel an der Machtgier und auch am Scheitern der Führung, doch interessiere sie mehr die Frage, wie sich die Menschen in diesem System eingerichtet haben. Dabei komme Fulbrook zu dem Schluss, dass "auch in der DDR ein ganz normales Leben möglich" gewesen sei. Als Beispiele für den nicht nur diktatorischen Charakter der DDR führt sie vielfache Aufforderungen des Staates zur Teilnahme am gesellschaftlichen Geschehen, vom Staat geförderte "Diskussionen" sowie das häufig genutzte Eingabewesen an. Mit der wirtschaftlichen Misere sei dann aber auch der "Wille nach grundlegenden Veränderungen" gestiegen. Klose sieht Entsprechungen zu diesen Befunden weniger in der wissenschaftlichen als in der belletristischen Literatur und stimmt mit Fulbrook völlig darin überein, dass manche Probleme der DDR nicht von der Diktatur herrührten, sondern allen modernen Industriegesellschaften eigen seien.
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