Michael Kardinal von Faulhaber führte als Erzbischof von München und Freising zwischen 1917 und 1952 akribisch Tagebuch. Die einzigartigen Aufzeichnungen erlauben tiefe Einblicke in seinen Alltag und seine unzähligen Gespräche in einer Zeit dramatischer Umbrüche: von der Monarchie über die Weimarer Republik und die NS-Diktatur bis hin zur Besatzungsherrschaft und den Anfängen der Bonner Republik. Wie ließen sich die rasanten politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen mit der Vorstellung einer ewigen göttlichen Ordnung in Einklang bringen? Wie reagierten Faulhaber, die katholische Kirche und der Vatikan auf Krieg und Frieden, auf Demokratie und totalitäre Ideologien und sich wandelnde Geschlechterrollen? Die Beiträge des Sammelbandes werten die Tagebücher im Blick auf diese Fragestellungen aus und beleuchten die bis heute kontrovers diskutierten Ambivalenzen, Brüche und Kontinuitäten in Faulhabers Denken und Handeln. Seine über 10.000 Tagebucheinträge hat Faulhaber in der heute nicht mehr geläufigen Gabelsberger-Kurzschrift verfasst. Ein interdisziplinäres Projektteam transkribierte die Quelle in zwölfjähriger Arbeit und machte sie vollständig in einer digitalen Edition (www.faulhaber-edition.de) öffentlich zugänglich.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23.12.2025
Rezensent Peter Hoeres wird nicht komplett glücklich mit diesem Sammelband, der sich mit dem Wirken des Münchner Erzbischofs Michael Kardinal von Faulhaber beschäftigt. Faulhaber nahm in der NS-Zeit zwar wiederholt Stellung gegen die Politik des NS-Regimes und auch gegen die Judenverfolgung, gleichwohl ist er eine umstrittene Figur, weiß der Kritiker: Das gilt sowohl für sein Verhalten in der Nazizeit als auch für seine antidemokratischen Stellungnahmen während der Weimarer Republik oder seine Unterstützung von NS-Tätern in der Nachkriegszeit. Die Beiträge, die dieser Band versammelt, gehen in Hoeres' Augen teilweise zwar zu streng mit Faulhaber ins Gericht und legen Maßstäbe an, die die Zeitumstände zu wenig beachten, räumt der Rezensent ein. Hoeres ist sich nämlich nicht sicher, wie viel Faulhaber wann über die Judenvernichtung wusste, zugleich erinnert der Rezensent aber darin, wie kalt Faulhaber mitunter über jüdische Schicksale schrieb. Außerdem, so ein weiterer Kritikpunkt, beschäftige sich der Band zu wenig mit Faulhabers theologischen Positionen. Insofern ist dieser Band zwar ein wichtiger Beitrag zur Erforschung dieser zentralen historischen Figur, das ultimative Faulhaber-Buch muss aber noch geschrieben werden, schließt der Kritiker.
Jana Hensel: Es war einmal ein Land In ihrem neuen Buch erzählt die Bestsellerautorin Jana Hensel vom Ende eines großen Traums. Denn das, was vor über 35 Jahren als Aufbruch in eine neue Ära begann, wird nun… Elias Hirschl: Schleifen Franziska Denk wächst im Umfeld des Wiener Kreises auf und leidet als Kind an einer seltsamen Krankheit: Jedes Symptom, von dem sie hört oder liest, bekommt sie sofort. In… Norbert Gstrein: Im ersten Licht Zwei Weltkriege, ein Jahrhundert: ein eigenwilliges Leben voller Schönheit, Tragik und Widersprüche. Norbert Gstrein schenkt uns ein ganzes Menschenleben. Dabei ist jedes… Julian Barnes: Abschied(e) Aus dem Englischen von Gertraude Krueger. Julian Barnes wird im Januar 2026 achtzig Jahre alt. Er weiß, dass die längste Zeit seines Lebens hinter ihm liegt, und er möchte…