Sie wurden gefeiert und verdammt, die 68er in ihrem Jubiläumsjahr. Unerzählt blieb die Geschichte ihrer jüngeren Brüder zwischen Kifferei und Anarchie. Matthias Matussek, vielfach ausgezeichneter Journalist und Bestsellerautor, holt dies nach. In einer bunten Collage aus Essays, Reportagen und Kurzgeschichten erzählt er vom Werdegang eines Jesuitenschülers, der als 16-jähriger in eine maoistische WG gerät, sich später aufmacht nach Indien und schließlich zum Journalismus findet. In der Alternative zwischen Terror und Krach entschied sich Matussek, Jahrgang 1954, für den Krach, für Nonsens, für frühen Punk.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 29.12.2008
Die Marke Matussek kauft unser Rezensent durchaus gerne. Des Autors melancholische Nabelschau, verstanden von Matthias Matussek als Weltschau, und manche "verbale Kraftmeierei" hin oder her. Für Alexander Kissler klingt das Mischen der Extreme, von Marx und Heiligenbild, lustvoll genug. Wenn Matussek die 68er anekdotisch und collagierend durchstreift und hier und da bereits Publiziertes aus jüngerer Zeit einfließen lässt, scheinen ihm Form und Thema zur Einheit zu gelangen. Und hinter der sprachlichen Schnoddrigkeit vermutet Kissler ohnehin das Prinzip Allverbundenheit - sehr romantisch, sehr '68, findet er.
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