Das italienische Deutschenbild ist nachhaltig von der Erinnerung an die deutsche Besatzung 1943-1945 geprägt. Die vorliegende Studie befasst sich, auf Interviews mit Zeitzeugen und Archivmaterial gestützt, mit Ursprung und Entwicklung des Bildes von den deutschen Besatzern. Sie stellt dabei dem kollektiven das individuelle Gedächtnis gegenüber, wie es sich in den Erinnerungen ehemaliger Partisanen und KZ-Häftlinge widerspiegelt. Es zeigt sich, dass gerade die Gegner und Opfer der Deutschen weitaus differenzierter über diese urteilen, als man ihnen gemeinhin zuschreibt. Nicht zuletzt sind es die Erinnerungen an einzelne Wehrmachtsdeserteure und deutsche Partisanen in der Resistenza, die ein Aufbrechen ethnischer Feindbilder zulassen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 05.03.2010
Die angepeilte Unparteilichkeit gelingt dem Autor laut Rudolf Lill nur ansatzweise. Der auf breiter Zitatbasis angelegte Band, der das Deutschland-Bild italienischer Partisanen zu rekonstruieren sucht, gerät für den Rezensenten allzu oft in Gefahr, im Sinn einer italienischen Linken zu urteilen, die Italiens Paktieren mit dem nationalsozialistischen Deutschland gerne vergisst. Lill weist darauf hin, dass sich die Wehrmacht in Italien korrekter verhielt, "als heute behauptet wird". Außerdem ist er der Meinung, dass viele Italiener differenziertere Erinnerungen an den Zweiten Weltkrieg hatten als die Partisanen und auch als mancher deutsche Sozialhistoriker.
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