Maurice Merleau-Ponty

Die Natur

Aufzeichnungen von Vorlesungen am College de France 1956-1960
Cover: Die Natur
Wilhelm Fink Verlag, München 2000
ISBN 9783770533398
Gebunden, 388 Seiten, 39,88 EUR

Klappentext

Herausgegeben und mit Anmerkungen versehen von Dominique Seglard. Aus dem Französischen von Mira Köller. Der Gang der Vorlesungen beginnt mit der Geschichte der Naturphilsophie, aus der die Namen Schelling, Bergson, Husserl uund Whitehead hervorleuchten. Er berücksichtigt die moderne Physik, die den Laplaceschen Determinismus gründlich unterminiert. Er führt weit hinein in die moderne Biologie, die - vertreten duch Namen wie Ashby, Darwin, Driesch, Lorenz, Portmann, Ruyer und Uexküll - in der "gerichteten und blinden Produktivität" der Natur die Alternative von Mechanizismus und Finalismus hinter sich lässt. Heideggers Wissenschaft, "die nicht denkt", weicht bei Merleau-Ponty einer Wissenschaft, die in ihren Forschungen und Erfindungen dem Denken entgegen kommt. Die Streifzüge durch den Bereich des Lebens enden bei der Genese des menschlichen Leibes, die im Übergang zur Kultur Aisthesis und Logos ebenso durchformt wie die Libido. Hier deutet sich jene "Psychoanalyse der Natur" an, von der im späteren Werk "Das Sichtbare und das Unsichtbare" mehrfach die Rede ist. Husserls Verständnis des Leibes als "Umschlagstelle" von Natur und Geist, von Natur und Kultur findet in Merleau-Pontys Phänomenologie der Natur ihre Bewährung.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 12.12.2000

Was zunächst ein Manko vermuten lassen würde, hat sich für Hans-Dieter Gondek schnell als ein Plus erwiesen. Das Buch dokumentiere drei verschiedene Vorlesungen des französischen Philosophen - wobei die beiden ersten ausschließlich aus der Mitschrift eines Studenten vermittelt sind, die letzte teilweise um Entwürfe des Philosophen ergänzt wurde. Damit gewinne der Leser eine "Alternativversion" zu einer Reihe von Artikeln Merleau-Pontys aus der gleichen Zeit, so Gondek. Kaum einem anderen Philosophen sei es so mühelos gelungen, schwärmt Gondek, die Naturwissenschaften als Referenzwissenschaften in seine Überlegungen mit einzubeziehen. In seiner ersten Vorlesungsreihe spürte Merleau-Ponty dem Rezensenten zufolge der Geschichte des Naturbegriffs in Physik und Phiolosophie hinterher, im nächsten Jahr war die Biologie an der Reihe. Im dritten Jahr ging es um die Philosophie des Leibes oder - umgekehrt - die Leiblichkeit des Geistes; für Gondek Denk- und Suchbewegungen des Philosophen, die hier offen, "ungeschützt" und doch "prägnant" formuliert seien, parallel zu Merleau-Pontys unvollendet gebliebenem Werk "Das Sichtbare und das Unsichtbare".

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