Herausgegeben von Thomas Hoffmann und Frank W. Stahnisch. "Der Aufbau des Organismus" ist das Hauptwerk des deutsch-amerikanischen Neurologen und Psychiaters Kurt Goldstein (1878-1965). Erstmals seit 1934 erscheint es nun in einer neuen deutschsprachigen Ausgabe. Im Spannungsfeld von Neurologie, Psychologie und Philosophie entwarf Kurt Goldstein im niederländischen Exil eine ganzheitliche Theorie des Aufbaus und der Funktion des menschlichen Organismus, die eine völlig neue Sicht auf die menschliche Psyche und die Funktionsweise des Gehirns ermöglichte. Sein Werk zählt nicht nur zu den Klassikern der modernen Neuropsychologie, sondern prägte auch so unterschiedliche Strömungen wie die Phänomenologie in Frankreich (Merleau-Ponty), die humanistische Psychologie in den USA (Maslow, Rogers) und die Kulturhistorische Schule der russischen Psychologie (Wygotski, Luria, Leontjew).
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 02.01.2015
Kurt Goldstein trug 1934 mit seinem Buch "Der Aufbau des Organismus" zu einer wissenschaftlich-medizinischen Tradition im Nachdenken über die Biologie bei, weiß Thomas Weber, später griffen Autoren wie Cassirer, Scheler, Jakobson, Merleau-Ponty und Canguilhem Ideen Goldsteins auf, der aufgrund von Behandlungen von Kriegsversehrten eine harsche Kritik des damals noch sehr atomistischen Hirnmodells der Neurowissenschaften entwickelte. Viele der Positionen Goldsteins mögen inzwischen überholt sein, in methodologischer und epistemologischer Hinsicht ist dieses Buch aber nach wie vor hochaktuell, verspricht der Rezensent.
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