Aus dem Französischen von Stephan Geene. Mit einem Vorwort zur deutschen, italienischen und japanischen Ausgabe. Maurizio Lazzaratos "Die Fabrik des verschuldeten Menschen" ist eine knappe und treffende Analyse der gegenwärtigen Krise - aber auch eine Gegenanalyse, denn Lazzarato widerspricht dem allgegenwärtigen Expertengerede: Für ihn sind Schulden nicht das Ergebnis irgendwelcher Exzesse, weder der Börsen noch von Bevölkerungen, die zuwenig arbeiten und zu viel ausgeben würden. Das Prinzip der Schulden liegt im Kern der kapitalistischen Organisation und, wie Lazzarato mit Rückgriff auf Nietzsche zeigt, als introjizierte, einverleibte 'Schuld' sind sie im Neoliberalismus zum Organisationsprinzip aller sozialen Beziehungen geworden. Die Schulden helfen dabei, den neoliberalen Traum vollständig zu erfüllen: radikaler Abbau des Sozialstaates und Auslagern aller Kosten auf die Individuen, die Selbstunternehmer, die arbeitenden Armen.
Als wichtigen Beitrag zeitgenössischer Gesellschaftskritik versteht Raul Zelik den Essay des italienischen Theoretikers Maurizio Lazzarato. Auch wenn der Autor laut Zelik weder alle ökonomischen Daten sauber recherchiert noch Handlungsperspektiven diskutiert, vermag er dem Rezensenten Argumente für die politische Debatte um den Neoliberalismus zu liefern. Auch die Erkenntnis, dass Systemexzesse prinzipiell nicht regulierbar sind, weil sie Machtverhältnisse zwischen Gläubigern und Schuldnern und damit einen Archetyp sozialer, gesellschaftlicher Ordnung etablieren, scheint Zelik interessant. Zumal Lazzarato in dem Zusammenhang Marx, Nietzsche, Foucault und Deleuze miteinander kurzschließt.
Elias Hirschl: Schleifen Franziska Denk wächst im Umfeld des Wiener Kreises auf und leidet als Kind an einer seltsamen Krankheit: Jedes Symptom, von dem sie hört oder liest, bekommt sie sofort. In… Julian Barnes: Abschied(e) Aus dem Englischen von Gertraude Krueger. Julian Barnes wird im Januar 2026 achtzig Jahre alt. Er weiß, dass die längste Zeit seines Lebens hinter ihm liegt, und er möchte… Dorothee Elmiger: Die Holländerinnen Mit blinkenden Warnlichtern fährt die Erzählerin, eine namenlose Schriftstellerin, an den Straßenrand, als ein unerwarteter Anruf sie erreicht. Am Apparat ist ein gefeierter… Leila Slimani: Trag das Feuer weiter Aus dem Französischen von Amelie Thoma. Mia, erfolgreiche Schriftstellerin in Paris, kämpft mit "brain fog", einem Gehirnnebel, der ihre Erinnerungen und ihre Arbeit beeinträchtigt.…