Mit Illustrationen von Mario Hamborg. Max Czolleks neuer Gedichtband Grenzwerte ist eine Grand Tour durch Orte, Diskurse - und durch die Geschichte. Denn Dichtung ist bei Czollek immer auch ein Sprechen der Vergangenheit: Eine Form von Gegenwartsbewältigung. Der Ungleichzeitigkeit der Zeit - dieser kette aus kalenderblättern / dem gefühl, als wäre beim reißverschluss der schieber kaputt - begegnet Czollek mit den Mitteln der Dichtung, mit Metapher und Collage. Dabei ist er kein passiver Chronist, seine Verse sind jederzeit bereit, zurückzuschlagen, sich Sprachordnungen anzueignen und neu zu formatieren. Und so ist Grenzwerte nicht nur ein Logbuch der Gegenwart, sondern auch eines des Dichters selbst: ich komme mir vor, als säße ich in einem meiner gedichte / und vielleicht tue ich das auch.
Dieser Gedichtband ist nichts für empfindliche Geister, sondern scharfe Polemik, die sowohl im Ton als auch in der Erscheinungsform aggressiv daherkommt, warnt Rezensent Patrick Wagner. Der Kritiker begreift Max Czolleks Lyrik als "Gegenwartsbewältigung", die fragwürdige deutsche Diskurse mit findigen Anspielungen aufgreift. Indem der Autor fiktionale Elemente und kontrafaktische Montagen mit der Aufarbeitung der Fakten kombiniert, entsteht ein zynisches, aber höchst kreatives Werk, das vor allem den deutschen Umgang mit der Shoah anprangert, erklärt der beeindruckte Rezensent.
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