Karina und Tonya teilen alles - ihr Studium an einer Moskauer Uni, betrunkene Männer, leere Geldbörsen, aber vor allem: das ambitionierte Ziel, nach Europa auszuwandern. Während im jungen neuen Jahrtausend der eine Teil der russischen Gesellschaft zwischen Luxusautos und Kaviar versinkt, schummelt sich der andere mittellos durchs Leben. Auch Karina hat gelernt, mit Witz und Wahnsinn jede Situation zu meistern und an ihren Träumen festzuhalten, komme, was wolle. Doch mehr und mehr schieben sich ihre Träume vor die Freundschaft mit Tonya, und was einst nach einem großen 'Für immer' klang, wird plötzlich brüchig.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22.10.2025
Rezensentin Kerstin Holm liest Maya Rosas Debüt als "launiges Russland-Buch", das die fiebrige Aufbruchsstimmung des Moskauer Studentenlebens (und Russlands insgesamt) in den 2000er Jahren einfängt. Die junge Autorin porträtiere "eine Epoche durch das Prisma weiblichen Erwachsenwerdens": Zwei Freundinnen jagen im taumelnden Nachtleben nach Liebe, Freiheit und einem besseren Leben, welches sie im Ausland vermuten, lesen wir. Hinter der grellen Oberfläche dräuen jedoch politische Schatten. Vom Tschetschenienkrieg bis zur Ermordung der Journalistin Anna Politkowskaja, Rosa flicht diese Ereignisse, die den totalitären Kurs von Putin anzeigten, in ihre Erzählung mit ein, staunt die Kritikerin. Sie setze der "aus Not geborenen Frauenemanzipation" ein humorvolles Denkmal, schreibe, so Holm, bildverliebt, manchmal übermütig, oft mitreißend. Trotz kleiner sprachlicher Holprigkeiten überzeugt Holm der Roman durch "poetische Vergleiche voller Leben".
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 28.08.2025
Kritikerin Cornelia Geißler trifft sich in Berlin mit der Autorin Maya Rosa, die in Russland geboren und als Erwachsene nach Deutschland gekommen ist, sie hat darin vieles mit Karina gemein, der Protagonistin ihres Debütromans. Karina studiert in Moskau politischen Journalismus, es ist der Herbst 2006, das Jahr, in dem Anna Politkowskaja ermordet wurde. Das ist für Karina der Anstoß, auszuwandern und ihr Leben zwischen Familienkonflikten und dem aufgeheizten politischen Klima hinter sich zu lassen. Das schildere Rosa lebhaft und erstaunlich witzig, freut sich Geißler. Die Autorin selbst ist seit zehn Jahren nicht mehr in Russland gewesen und hat mittlerweile die deutsche Staatsbürgerschaft, erfahren wir noch von der Rezensentin, die bereits gespannt ist auf ihre nächsten Bücher.
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