In diesem Band sind zum ersten Mal alle Erzählungen von Mela Hartwig gesammelt: die Novellen aus dem berühmten Erstling "Ekstasen", andere Erzählungen aus deren Umfeld (z. T. nur im Nachlass vorhanden), die 1936 in einem französischen Exilverlag gedruckte Novelle "Das Wunder von Ulm" und die einzige nach 1945 noch erschienene Prosaveröffentlichung "Georgslegende".
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 17.05.2005
Nach einer Karriere als Schauspielerin gelangte Mela Hartwig am Ende der Zwanziger Jahre mit ihren skandalträchtigen Erzählungen "Ekstasen" und dem Roman "Das Weib ist ein Nichts" für einige Zeit zu Berühmtheit, ruft uns Berhard Fetz die vergessene Autorin ins Bewusstsein, doch trotz berühmter Mentoren wie Alfred Döblin und Stefan Zweig machten die Nazis die noch junge Schriftstellerexistenz der Wienerin bald zunichte. Sie ging nach London ins Exil, schrieb zwar noch einige Erzählungen für Exilverlage, doch starb sie so gut wie vergessen 1967 in London. Fetz sieht ihre Wiederentdeckung durch den vorliegenden Band mehr als gerechtfertigt; zum größten Teil ist er mit den Erzählungen aus dem "Ekstasen"-Band bestückt. Hartwigs Texte beschreibt uns Fetz als "abstoßend und faszinierend zugleich", sie kreisen um die Pole "Justiz und Sexulaität, Gesetz und weibliches Begehren" und ihre Heldinnen sind "Visionärinnen des Perversen", wie etwa das unglückliche Mädchen, das durch Selbstbefriedigung schwanger wird und anschließend einen Spießrutenlauf durch Instituionen der männlichen Macht absolvieren muss, um das Kind abzutreiben. Am stärksten findet Fetz aber die Erzählung "Aufzeichnungen einer Hässlichen", in der jede erlittene Niederträchtigkeit von einer noch gemeineren übertroffen wird.
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