Die Villa der Architektin
Roman

Folio Verlag, Wien - Bozen 2024
ISBN
9783852569017
Gebunden, 463 Seiten, 28,00
EUR
Klappentext
Aus dem Italienischen von Karin Fleischanderl. Sie wird das Jahrhundert verblüffen. Die erste Architektin der Geschichte. Rom im 17. Jahrhundert - prachtvolle Paläste, monumentale Kuppeln, kostbarer Stuck. Durch die selbstherrliche Macht derPäpste und Kardinäle wächst die Stadt im barocken Prunk. Während Frauen Kind auf Kind gebären und sich für die Familieabschinden, malt eine 13-Jährige ihr erstes Altargemälde. Der Vater, plebejisches Künstlergenie und Komödiendichter, führt das Wunderkind in die Kunst ein und lehrt sie, an das Unmögliche zu glauben. Plautilla Bricci wird nicht nur eine bedeutende Malerin und Mitglied der Accademia di San Luca, sondern auch die erste Frau, die einen prächtigen Palazzo nach eigenen Entwürfen plant und vollendet. Gegen alle Widerstände wird ihr Name in den Grundfesten der Villa Benedetta auf dem Gianicolo eingraviert sein …
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 12.10.2024
Rezensentin Ulrike Sauer staunt über Melania G. Mazzuccos Buch, Ergebnis eines großen Entdeckungs- und Forschungsprojekts: Nachdem die Schriftstellerin in einem kunsthistorischen Buch über eine Stelle gestolpert war, an der vier Zeilen über eine römische Architektin im 17. Jahrhundert verloren wurden, begann sie eine umfangreiche Recherche zu dieser nahezu unbekannten Frau, erklärt Sauer. Auf einem Städtetrip durch Rom gemeinsam mit der Autorin erfährt die Kritikerin, an wie vielen Orten sich Verbindungen zu Plautilla auftun. So gestaltete sie etwa die dritte Seitenkapelle der berühmten Kirche San Luigi dei Francesi und lieferte einen ersten Entwurf für die Spanische Treppe. Wie Mazzucco ihre akribische und langwierige Recherche zu dieser selbstständigen Frau im männerdominierten Architektur-Business der damaligen Zeit "leichthändig und mit epischer Kraft" in eine Geschichte aus der Ich-Perspektive Plautillas verwandelte, scheint Sauer höchst verdienstvoll zu finden - gerade auch in einem Italien, in dem Berufsbezeichnungen noch immer nur im generischen Maskulinum existieren.
Rezensionsnotiz zu
Die Tageszeitung, 16.09.2024
Plautilla Bricci war die erste römische Architektin, doch über sie war lange Zeit kaum etwas bekannt, lernt Rezensentin Tanja Schultz aus Melania Mazzuccos Roman, der sich ihrem Leben anhand historisch verbürgter Fakten, aber doch mit gelegentlicher künstlerischer Freiheit widmet. 1616 ist sie geboren, lernt zuerst in der Werkstatt ihres Vaters und errichtet dann so beeindruckende und bedeutende Gebäude wie die Villa "Il Vascello" in der Form eines Schiffes, die 1849 in der Revolution zerstört wurde, lesen wir. Männer wie der Abt Elpidio Benedetti waren zunächst ihre Förderer, haben die Früchte ihrer Arbeit dann aber doch für sich selbst ernten wollen, sodass Bricci dem Vergessen anheimgefallen ist, so Schultz. Dieser fast filmisch geschriebene Roman ist ein erster Schritt, ihr die ihr gebührende Aufmerksamkeit und Hochachtung zukommen zu lassen, schließt sie.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 14.09.2024
Die 1616 geborene Plautilla Bricci war die erste Architektin Roms, die Strega-Preisträgerin Melania G. Mazzucco hat einen Roman über sie geschrieben, in dem sie ihre eigene Geschichte erzählen darf, berichtet Rezensentin Tanja Schultz. Bricci wird protegiert (und dann später ausgenutzt) von dem Abt Elpidio Benedetti, wird Mitglied der Kunstakademie San Luca, darf aber als Frau beispielsweise nicht an Aktstudien teilnehmen, erfahren wir. Ihr Hauptwerk, liest Schultz, war die Villa "Il Vascello", die 1849 von den Franzosen bombardiert wurde und von der die patriarchale Architekturgeschichtsschreibung lange behauptete, sie wäre von einem Mann gebaut worden. Mazzucco hat sich die Mühe gemacht, intensive Recherchen über Bricci anzustellen, um dieses beeindruckende Leben aufzuschreiben, schließt die Kritikerin.