"Kein Mensch kann den anderen von seinem Leid befreien; aber er kann ihm Mut machen, das Leid zu tragen." Selma Lagerlöf Genau das tut die Kinderbuchillustratorin Melanie Garanin mit diesem Buch. Nach dem tragischen Tod ihres jüngsten Sohnes reagierte sie auf ihre eigene Art: Sie zeichnete. Entstanden ist eine Graphic Novel in der ihre Verzweifelung und Wut ebenso Platz haben wie die schönen Erinnerungen und der Humor, ein Buch, das nichts beschönigt und doch Mut macht - uns allen.
Gerührt und aufgewühlt ist Rezensentin Petra Schellen nach der Lektüre von Melanie Garanins Graphic Novel, in der die Kinderbuchillustratorin den Tod ihres dreijährigen Sohns verarbeitet. Wie Garanin den Leser zunächst ganz unbefangen ins Ritterspiel des kleinen Nils eintauchen lässt und erst spät preisgibt, dass er nicht an Leukämie, sondern an einem ärztlichen Behandlungsfehler gestorben ist, bewegt die Rezensentin, ebenso wie die Zeichnungen sich in Trauer neigender Stehlampen oder zur Bedrohung anschwellender Infusionsflaschen. Auch, wie die Autorin die abgeklärten Parolen der Ärzte, verfasst in Druckschrift, gegen die in Krakelschrift beschriebene Trauer der Familie formal abgrenzt und dabei trotzdem keinen "Rachefeldzug" gegen die Ärzteschaft startet, schätzt Schellen. Wenn im imaginierten Schlussszenario Nils' Ritterfreunde gegen Justiz und Krankenhaus angehen, spendet das Trost, lobt die Kritikerin, bei der sich auch nach dem zweiten Mal Lesen keine "professionelle Abgeklärtheit" einstellt.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 02.09.2020
Rezensentin Kim Kindermann empfiehlt Melanie Garanins Graphic Novel über den Tod ihres Sohnes und den Kampf um die Anerkennung eines medizinischen Behandlungsfehlers. Berührend ist diese Anklage an eine entmenschlichte Medizin für Kindermann nicht zuletzt, weil die Autorin nicht nur von Schmerz und Trauer, sondern auch vom Weiterleben erzählt - in filigranen Bildern und in unterschiedlichen Schriftarten verfassten Texten. Das Gefühlschaos der Mutter wird für Kindermann ebenso deutlich wie der Versuch, Leserinnen mit einer ähnlichen Erfahrung Trost zu spenden. Das gelingt durchaus, meint Kindermann.
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