Zwei Brüder (Manfred und Heinz Mayer), in Hoffenheim geboren, wurden mit ihrer Familie 1940 nach Frankreich ins Lager Gurs deportiert. Die Eltern kamen anschließend nach Rivesaltes, von wo sie zwei Jahre später nach Auschwitz transportiert und ermordet wurden. Die zwei Brüder wurden durch eine jüdische Organisation und Quäker in französische und Schweizer Waisenhäuser gebracht. Schließlich wurden sie getrennt. Nach dem Krieg ging Fred, der ältere Bruder, in die Vereinigten Staaten. Der jüngere Bruder, Menachem (Heinz), kam nach Israel. Dies ist eine der bewegendsten Biografien, die in den letzten Jahren erschienen sind. Die ungewöhnliche Erzählweise, die Gespräche zwischen den Brüdern als Versuch, die Jahre der Trennung zu überbrücken, ihr Appell an ihre Enkel und darin an unser aller Enkel, wird die Leserinnen und Leser nicht ungerührt lassen.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 12.11.2008
Thomas Hummel berichtet von einer "seltenen Geschichte der Vergangenheitsbewältigung und Aussöhnung" zwischen Opfer- und Täterfamilien der Nazi-Zeit, die sich im Zuge der Veröffentlichung der Erinnerungen zweier jüdischer Brüder ereignet hat. Familie Hopp, bekannt durch den SAP-Mitbegründer Dietmar Hopp und nun auch durch den Aufstieg der von ihm finanzierten Fußballmannschaft in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt, erfuhr aus der englischen Fassung des Buches, in welcher Weise der Vater in der NS-Zeit an antisemitischen Verbrechen beteiligt war, teilt der Rezensent mit. Man suchte daraufhin den Dialog, der letztlich in der Finanzierung der deutschen Übersetzung und in der Unterstützung für einen Dokumentarfilm mündete, so Hummel weiter. Das Buch, so erfährt man von Hummel, erzählt zumeist in Dialogform von der Kindheit der Brüder Manfred und Heinz Mayer, und bietet damit Einblick in das sehr "persönlich" geschilderte Schicksal zweier jüdischer Kinder, die erst nach Gurs deportiert und schließlich in einem Waisenhaus versteckt wurden, während ihre Eltern in Auschwitz umkamen.
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