Die Geschichte der Charlotte von Hessen-Kassel, durch Vermählung Kurfürstin von der Pfalz, ist sowohl die Geschichte einer menschlichen als auch einer politischen Tragödie. Charlotte war - obwohl bis heute als herzlos, oberflächlich und dumm verleumdet - eine warmherzige und intelligente Frau und, wie ihre als Liselotte von der Pfalz bekannt gewordene Tochter, eine unbestechliche Beobachterin. Hätte ihr Gemahl ihre Qualitäten erkannt und gefördert, wäre sie ihm wohl eine kluge Lebensgefährtin und Beraterin geworden. Von Kurfürst Karl Ludwig aus politischem Kalkül und wider ihren Willen geheiratet, verliebte sie sich in ihren Gemahl genau zu der Zeit, als er dem Liebreiz der jungen Freiin Louise von Degenfeld erlag, sie zur linken Hand ehelichte und die Kurfürstin verstieß. Wäre Letzteres nicht geschehen, dann hätte er wohl auch mit ihr noch zahlreiche Söhne gezeugt und vielleicht wäre dann der Kurpfalz der Pfälzische Erbfolgekrieg erspart geblieben.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22.01.2022
Rezensent Walter Schübler freut sich, mit Hannelore Helfers Buch eine Richtigstellung der von ihrem Gatten in die Welt gesetzten Klischees über Charlotte von Hessen-Kassel zu erhalten. Als gereizt, stolz und hoffärtig kann er sie sich nach der Lektüre jedenfalls kaum vorstellen, eher als warmherzig und mit Humor begabt. Helfers Ansatz, Charlottes Biografie unmittelbar aus den Quellen zu entwickeln, aus Briefen und anderen Archivalien, geht für Schüblers Empfinden auf. Und auch die sprachliche Behandlung der Quellentexte aus dem 17. Jahrhundert, mal buchstabengetreu, mal modernisiert, gelingt. Der Rezensent hat beim Lesen das Gefühl, nah dran zu sein, vergisst dabei aber nie, dass er es mit einer ihm vollkommen fremden Vorstellungswelt zu tun hat.
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