Als ihr Vater unerwartet stirbt, gerät die junge Erzählerin ins Schlingern. Ein Jahr lang lebt sie im Ungefähren, besucht wahllos Vorlesungen an der Universität, fährt Zug, sucht unvermittelt Orte ihres bisherigen Lebens auf, reist nach Prizren. Erinnerungen an ihre idyllische Kindheit in der osmanisch geprägten Stadt, die sie im Alter von zehn Jahren mit ihrer Familie verlassen musste, drängen machtvoll in ihre Schweizer Gegenwart. Aber die Welt ihrer Kindheit findet sie nicht wieder in Prizren, und auch sie selbst hat sich verändert. Sie sucht einen Platz in ihrem neuen Land, der neuen Sprache. Die Unselbständigkeit ihrer einsamen Mutter erträgt sie nur schlecht, und mit jedem neuen deutschen Wort wächst die Entfernung zu ihr. Während die Mutter sich zunehmend isoliert, versucht die Erzählerin dem Stillstand zu entkommen. "Elefanten im Garten" ist ein Roman über ein von der Migration geprägtes Leben, über Herkunft und Entfremdung, Verlust und Beharren, aber auch über Neubeginn und Rettung - im Erzählen.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 15.10.2015
Für äußerst gelungen hält Rezensentin Alexandra von Arx das stark autobiografisch geprägte Romandebüt der gebürtigen Kosovarin Meral Kureyshi, die von den ersten Jahren einer geflüchteten Familie in der neuen Heimat Schweiz berichtet. "Einfühlsam, eindrücklich und zuweilen auch sehr humorvoll" sei der Ton des Buches, so Arx, das in ihren Augen gerade deshalb berührt, weil es so unaufgeregt daherkomme, weil es einen Mittelweg finde zwischen einer zurückgenommenen Sprache und "üppig-poetischer Erzählkunst". Die Autorin verbinde außerdem gekonnt verschiedene Zeitebenen, Länder und Realitäten miteinander. Fremdheit und Scham erkennt die Rezensentin als zentrale Gefühle der Ich-Erzählerin in ihrer neuen Heimat - und so ist das Werk für Arx hochaktuell.
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