Michael P. Steinberg

Ursprung und Ideologie der Salzburger Festspiele 1890-1938

Cover: Ursprung und Ideologie der Salzburger Festspiele 1890-1938
Anton Pustet Verlag, München 2000
ISBN 9783702504106
Gebunden, 256 Seiten, 24,54 EUR

Klappentext

Bis ins 19. Jahrhundert reichen die Pläne zurück, in Salzburg - zunächst um Mozart zentrierte - Festspiele zu installieren. Doch erst nach dem Zusammenbruch der Monarchie, als Reaktion auf diesen, nahmen sie durch den Dichter Hugo von Hofmannsthal und Max Reinhardt 1920 Gestalt an. Ziel des konservativen Vordenkers Hofmannsthal war es, dem verbliebenen Rumpfstaat Österreich durch Rückgriff auf den Barock eine Ersatzidentität anzumessen: als Hort europäischer Hochkultur. Dabei begriff er Salzburg als katholische Antwort auf das protestantische Bayreuth, seinen "Jedermann" als Antwort auf Wagners "Parsifal".

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 02.09.2000

Der amerikanische Geschichtsprofessor ist offenbar, schreibt Gerda Marko, durch seine Übersetzertätigkeit und Herausgabe der Brosch`schen Studie über Hofmannsthal auf das Thema Salzburg gestoßen. Und mit diesem Buch hat er, so zitiert sie den derzeitigen Festspielleiter von Salzburg, Gerald Mortier, eine `brillante` Auseinandersetzung mit dem Mythos Salzburg vorgelegt. Sie selbst bedauert, dass die "faktenpralle" Arbeit in vielen Facetten oft nur für "akademisch gebildete Leser" zugänglich ist. Aber die Aufbereitung Salzburgs als Thematisierung österreichischer Identität hat sie dennoch überzeugt. Da geht es dann insbesondere um das Barock, seine "Totalität und Theatralität", um Gegenreformation also, die in ihrer Rückwärtsgewandtheit der kollektiven Psyche Österreichs nach dem Zerfall des Habsburgerreichs entsprach. Hugo von Hofmannsthal hat mit seinem "Jedermann" zur Eröffnung des Salzburger Reigens 1920 die Vorlage zur Selbstfeier der neuen Republik gegeben. Und wenn dies Traditions-Stück zwischen 1938 und 1946 auch nicht mehr gespielt werden durfte, so hat Steinberger doch keine Schwierigkeiten zu belegen, warum auch der Austrofaschismus und schließlich die Nationalsozialisten die Salzburger Festspiele so leicht für sich in Anspruch nehmen konnten, urteilt Marko.

Beliebte Bücher

Norbert Gstrein. Im ersten Licht - Roman. Carl Hanser Verlag, München, 2026.Norbert Gstrein: Im ersten Licht
Zwei Weltkriege, ein Jahrhundert: ein eigenwilliges Leben voller Schönheit, Tragik und Widersprüche. Norbert Gstrein schenkt uns ein ganzes Menschenleben. Dabei ist jedes…
Jana Hensel. Es war einmal ein Land - Warum sich der Osten von der Demokratie verabschiedet. Aufbau Verlag, Berlin, 2026.Jana Hensel: Es war einmal ein Land
In ihrem neuen Buch erzählt die Bestsellerautorin Jana Hensel vom Ende eines großen Traums. Denn das, was vor über 35 Jahren als Aufbruch in eine neue Ära begann, wird nun…
Robert Menasse. Die Lebensentscheidung - Novelle . Suhrkamp Verlag, Berlin, 2026.Robert Menasse: Die Lebensentscheidung
Frustriert von den Mühlen der Bürokratie, trifft Franz Fiala eine "Lebensentscheidung" und wirft seinen Job bei der Europäischen Kommission hin. Als er seine Mutter zum 89.…
Elias Hirschl. Schleifen - Roman. Paul Zsolnay Verlag, Wien, 2026.Elias Hirschl: Schleifen
Franziska Denk wächst im Umfeld des Wiener Kreises auf und leidet als Kind an einer seltsamen Krankheit: Jedes Symptom, von dem sie hört oder liest, bekommt sie sofort. In…