Michael Theobald

Herrenworte im Johannesevangelium

Cover: Herrenworte im Johannesevangelium
Herder Verlag, Freiburg 2002
ISBN 9783451274947
Gebunden, 668 Seiten, 70,00 EUR

Klappentext

So faszinierend die Bildwelt der johanneischen Jesus-Reden auch ist, so rätselhaft präsentieren sie sich in ihrer von ständigen Wiederholungen und zahllosen Spannungen gezeichneten literarischen Gestalt, was die Frage aufwirft, welchen Baugesetzen sie verpflichtet sind. Dabei geht es nicht (wie in einem älteren Forschungszweig) um den apologetischen Versuch, über die Rekonstruktion von "Herrenworten" den Anschluss des 4. Evangeliums an alte mutmaßliche Jesus-Überlieferungen zurückzugewinnen; vielmehr steht eine sowohl form- wie gattungskritische Analyse dieser Reden an mit dem Ziel, deren literarische Hermeneutik im Umgang mit gemeindlichem "Spruchgut" zu eruieren sowie aus dem dabei aufscheinenden inneren Gefälle der Reden Einsichten in die Verarbeitung des Traumas der historisch vorausliegenden Trennung der johanneischen Gemeinde von der jüdischen Synagoge zu gewinnen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 04.06.2003

Klaus Bergers Besprechung von Michael Theobalds "Herrenworte im Johannes-Evangelium" dürfte vor allem die Herzen von theologischen Insidern höher schlagen lassen, für die detaillierte Diskussionen theologischer Spezialprobleme das Größte sind. Als Thema von Theobalds Arbeit nennt Berger das Verhältnis von synoptischer und johanneischer Überlieferung der Worte Jesu. Bei abgrenzbaren Einzelworten im Munde Jesu, formuliert Berger das "zentrale Ergebnis" von Theobalds Arbeit, setze das vierte Evangelium durchaus nicht immer, sondern eher selten die drei ersten Evangelien oder eines von ihnen voraus. Wie der Rezensent ausführt, untersucht Theobald die verschiedene Versionen der Überlieferung der Worte Jesu, aus denen sich bestimmte Zweige herausbildeten. Dabei gelinge es ihm, für Worte Jesu einzelne "Stammbäume", Genealogien, aufzustellen, und sie dadurch "im Sinne urchristlicher Überlieferung" plastisch zu machen, was Berger als "größten Verdienst" der Arbeit würdigt. Positiv sieht er auch, dass Theobald nicht nur die ersten drei Evangelien, sondern auch andere Schriften des frühen Christentums diskutiert. Das ist nach Ansicht Bergers im Ganzen gut gelungen, im Detail hat er jedoch einige wortreich dargelegte Einwände, die letztlich auf den Vorwurf einer mangelnden Distanz zur Forschung hinauslaufen. "Wer sich die Bestätigung von Forschungsstereotypen erhofft, weil sie ihm Halt und Berufsperspektive geben", resümiert Rezensent leicht ironisch, "wird mit jeder Seite glücklich sein." Aber auch für den, der Neues erfahren möchte, stelle der Band eine wirkliche Bereicherung dar.
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