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Michael Tomasello

Mensch werden

Eine Theorie der Ontogenese
Cover: Mensch werden
Suhrkamp Verlag, Berlin 2020
ISBN 9783518587508
Gebunden, 542 Seiten, 34,00 EUR

Klappentext

Aus dem Amerikanischen von Jürgen Schröder. Fast alle Theorien darüber, wie der Mensch zu einer so einzigartigen Spezies geworden ist, konzentrieren sich auf die Evolution. Michael Tomasello legt mit seinem Buch eine komplementäre Theorie vor, die sich auf die kindliche Entwicklung konzentriert. Aufbauend auf den bahnbrechenden Ideen von Lev Vygotskij, erklärt sein empiriegesättigtes Modell, wie sich das, was uns menschlich macht, in den ersten Lebensjahren herausbildet. Tomasello bietet drei Jahrzehnte experimenteller Arbeit mit Schimpansen, Bonobos und Menschenkindern auf, um einen neuen theoretischen Rahmen für das psychologische Wachstum zwischen Geburt und siebtem Lebensjahr vorzuschlagen. Er identifiziert acht Merkmale, die den Menschen von seinen engsten Verwandten unterscheiden: soziale Kognition, Kommunikation, kulturelles Lernen, kooperatives Denken, Zusammenarbeit, Prosozialität, soziale Normen und moralische Identität. Auch Menschenaffen besitzen diesbezüglich rudimentäre Fähigkeiten. Aber erst die Anlage des Menschen zu geteilter Intentionalität verwandelt diese Fähigkeiten in die einzigartige menschliche Kognition und Sozialität. Mit seiner radikalen Neubewertung der Ontogenese zeigt Tomasello, wie die Biologie die Bedingungen schafft, unter denen die Kultur ihre Arbeit verrichtet.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 09.10.2020

Rezensentin Sabina Pauen sieht in dem Buch des Anthropologen Michael Tomasellos ein neues Standardwerk der Entwicklungspsychologie, das durch klaren Aufbau und durchdachte Argumentation und Grafiken auch dem interessierten Laien dienen kann. Wie der Autor hier eine Brücke schlägt zwischen Anthropologie und Entwicklungspsychologie, um den Prozess der Menschwerdung zu verstehen, findet Pauen spannend. Tomasellos Analyse sozialer Erfahrungen, biologischer Prozesse und kognitiver Grundlagen in diesem Zusammenhang und seine Untersuchung ontogenetischer Prozesse im weiteren erschließen Pauen Tomasellos Entwicklungsmodell und grenzen es ab zu anderen Theorien. Einziges Defizit der Arbeit für Pauen: das Fehlen einer "ausgewogenen Diskussion" solcher alternativer Denkansätze.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 30.07.2020

Der hier rezensierende Wissenschaftshistoriker Michael Hagner verneigt sich vor der 30-jährigen Forschungsarbeit des Autors Michael Tomasello, der den Menschen zwar auch als "Tier" ansieht, aber dennoch als "einzigartig" definiert. Sein Beitrag zu dieser Diskussion - wie auch der, die "Natur" und "Kultur" voneinander klar geschieden wissen will - ist die Untersuchung kindlicher Moral und Kognition, die Hagner uns hier noch einmal nahelegt. Dabei betont er, mit welcher - manchmal etwas ausufernden - Detailfülle und gleichzeitig den daraus stammenden und zur Theorie sich verdichtenden Resümees der Forscher und Autor gearbeitet hat. Hagner begeistert das darin liegende "emanzipatorische Potenzial" und führt es gegen modische Relativierungen ins Feld. Bei allem, was durch Tomasellos Ontogenese durchaus auch ausgeklammert bleibt, wie er sieht, bricht der Rezensent eine Lanze für die "differenziertere Entwicklungspsychologie (ála Wygotski  oder Piaget), wendet sich gegen das von den Neurowissenschaften simplifizierte Menschenbild und betont das hohe Niveau, auf dem hier eine alte Diskussion ausgefochten wird.
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Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 02.07.2020

Sehr überzeugend findet Rezensent Volkart Wildermuth die Forschungsergebnisse des Neurowissenschaftlers Michael Tomasello: Parallel stattfindende Versuche mit Menschenaffen-Kindern und Menschen-Kindern haben ergeben, dass durch die hohe Abhängigkeit des Menschen-Babys eine frühe Entwicklung zum Lächeln geschieht, und das heißt zu Kommunikation und Soziabilität. Je mehr sich der Kritiker kleine Geschichten vorstellen kann, die während der Versuchsreihe sicher geschehen sind, desto mehr bedauert er, dass Tomasello sie nicht aufgeschrieben hat. Vielmehr habe dieser "ein knallhartes Fachbuch" geschrieben, dessen Lektüre sicher anstrengend sein kann - aber unbedingt lohnend.

Rezensionsnotiz zu Die Welt, 16.05.2020

Rezensent Michael Pilz belässt es bei wenigen Worten über dieses Buch des Anthropologen Michael Tomasello. Tomasello forschte neun Jahre lang am Leipziger Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie mit Menschenaffen und Menschenkindern zu der Frage, was in den Genen festgelegt ist und wo die kulturelle Prägung beginnt. In seiner Theorie der Ontogenese, also der Reifung des Menschen, untersuche Tomsello die ersten sieben Lebensjahre bis zur Reifung der moralischen Identität, informiert der Kritiker. Dass Tomasello den Menschen eher bei Adam Smith mit seinen angeborenen Gefühlen sieht, verrät der Rezensent ebenfalls - mehr aber leider nicht.